20 I- Deutschlands Stellung,
leichtem; cs ist nothwcndig, daß wir sofort Hand ans Werklegen; aber wir dürfen nicht hoffen noch fordern, daß die äußer-sten Schritte sogleich geschehen, und daß die angewandten Mit-tel sogleich volle Wirkung bringen. Die Uebcl liegen vorzüglichin dem materiellen Drucke und in der Willkühr; beiden muß mancntgegentrctcn. — Aber um den materiellen Druck zu entfernen,ist cs nicht genug die Abgaben zu vermindern oder gerechter zuverthcilcn; dadurch ist nur wenigen zu helfen. Es istvor al-lem nothwcndig, daß man dicAnspr ü ch c vc r m i n-derc, und den Erwerb verme h r e. Beides aber ist nurmöglich mit der Zeit.
Die Uebcl sind tief eingewurzelt; die vielfachen Verwicke-lungen der öffentlichen Verhältnisse greifen überall in das Lebenein, cs beruht auf ihnen das Wohl, die Aussichten und Planeunzähliger Familien und Einzelnen, die thcils unmittelbar vomStaate, thcils mittelbar von dem Luxus der Besoldeten leben.Wir sind an Einwirkung der Polizei so sehr gewöhnt, empfin-den unbedeutende Störungen der polizeilichen Ordnung so schwer,daß cs schon aus diesem Grunde unmöglich, wenigstens höchstbedenklich scheint, plötzliche Einwirkung auch nur verlangen zuwollen. Die Folgen sind nicht zu berechnen, wenn ohne Ver-minderung der Ansprüche die Mittel zu Befriedigung derselbenvermindert werden sollten. — Vorzüglich die Folgen für die Ge-werbe und den Erwerb möchten sehr bedenklich seyn. Vermin-derung ihrer Abgaben an den Staat hat nur bei denen ein Ge-wicht, welche von den Früchten ihres Eigenthums zahlen undleben. Die große Mehrzahl, der der Gebrauch ihrer Kräfte denUnterhalt verschaffen muß, kann nur dadurch erleichtert werden,daß ihr Gelegenheit gesichert wird, diese Kräfte vortheilhaft zuverwenden. Diese Sorge wird aber durch Verhältnisse erschwert,deren Lenkung kein einzelner Staat in Deutschland in seiner Ge-walt hat. Auch hier kann nur durch lang vorbereitete Mittel gründ-lich geholfen werden. Ucberall wird nur durch Aufopferung mög-lich seyn, die Ansprüche zu vermindern. Aufopferung aber ge-lingt nur der Liebe des Vaterlandes, und wer kann leugnen, daßdiese schwach geworden ist?