18 1. Deutschlands Stellung.
Gewinn dcS Gewerbs sich und ihren Kindern sichern zu wollen,und bedenkt nicht, daß man sich selbst eines ähnlichen noch ver-werflichem Zunftzwangs schuldig mache. In frühem Zeitengewahrte die Kirche jedem ausgezeichneten Manne den Zutrittzu den höchsten Würden; im 16. und 17. Jahrhunderte, alsWissenschaft noch das Eigcnthum weniger war, ist cs nichtsseltenes, Männer aus den untersten Standen bis zur nächstenNähe der Fürsten hcraufsteigcn, oder an die Spitze der Heeregestellt zu sehen. Alles dies ist seit dem vorigen Jahrhunderteungleich seltener geworden, und wenn man jetzt auch jenen un-bedingten Vorzug des Adels weniger anerkennt, so sind dochum nichts weniger durch Erfordernisse des Vermögens, der Bil-dung, selbst durch deutlichere Hinweisungen auf Stand undGeburt nur zu oft neue Schranken gezogen, um die Schwächeder hohem Stände gegen Verstärkung von unten zu schützen.Diese Schranken müssen fallen! Wenn der Bürger auch nureinen §us seinem Kreise auf einer ehrenvollen Stelle sieht, wenner cs erkennt, daß auch ihm, auch seinen Kindern der Zutrittzu den Würden und Vorthcilcn des Staats offen steht: so wirder mit Ruhe es anschen, daß diese Posten ungemeine Vorthcilegewähren. So lange die Schranken bestehen, wird man nie-mals verhindern, daß nicht in der ganzen, großen, wichligcnMasse der untern Stände eine Erbitterung gegen die hohemPlatz greife, deren Folgen um so verderblicher sind, je mehrdiese Verhältnisse von allen Seiten das Leben berühren. Undwo ist das Land in Deutschland, wo die Klage über Adclswc-scn, Nepotismus, Begünstigung nicht geführt, wo nicht durchdiese Klage ganz vorzüglich die Unzufriedenheit gemehrt würde?
Kommen nun zu diesem Ucbcl noch Willkührlichkcitcn hin-zu, haben die hohem Stande selbst das Recht Willkührlichkci-tcn zu üben, wie dies Recht der Gutsherr gegen den Pflichti-gen auch jetzt noch vielfach hat: so ist in diesem Streite einZunder vorhanden, der jeden Funken auffangcn und zum zerstö-renden Brande ernähren kann. In einer Zeit, wo Entwicke-lung der geistigen Kräfte auf alle Weise gefordert wird, wo dieHemmung dieser Entwickelung unmöglich ist, darf man nicht