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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Sechstes Buch.

Räuber' die Schmähungen hörte, welche sich Viele gegen dengöttlichen Menschenfreund erlaubten, stimmte auch er mit einin die Lästerungen und zeigte dadurch sein völlig verderbtesGemüth; allein der andere mitgekreuzigte Räuber, den dieSage zur Rechten Jesu stellt *), und der durch die an ihmvollzogene Strafe zur Erkenntniß seiner Vergehungen gekom-men war, auch Jesu höhere Würde anerkannte, tadelte dasVerfahren seines Mitschuldigen ernstlich und wendete sich her-nach mit der Bitte an Jesum:Herr, gedenke an mich,

wenn du in dein Reich kommst!" Diese Bitte mußte demgöttlichen Menschenfreunde in seinen größten Schmerzen einefreudige Empfindung verursache»; und er, der Niemandenjemals ohne Trost gelassen hatte, gab dem reuevollen Sün-der in bildlichen Worten die Versicherung, daß er noch heutemit ihm zum Frieden gelangen werde.

Wahrend der Pöbel den heiligen Gottgesandtcn lästerteund verspottete, standen in tiefen Schmerz versunken JesuMutter und seine frommen Freundinnen nebst seinem JüngerJohannes, den er vorzüglich liebte, in der Nähe seinesKreuzes, und ein schmerzliches Gefühl mußte den edlen Sohnergreifen, als sein Blick auf seine tief betrübte Mutter siel,die an ihm ihre einzige Stütze verlor, da ihr Gatte ohneZweifel schon zu seinen Vätern gegangen war und sie wahr-scheinlich keine Kinder weiter hatte. Sie in ihren späternLcbenstagen sicher gestellt und versorgt zu sehn, war nochder Wunsch seines Herzens, und dem edlen Sinne seinesJüngers Johannes vertrauend, der vermögend gewesen zuseyn scheint, sprach er zu seiner Mutter, indem er auf Jo-hannes deutete:Siehe, dies ist dein Sohn!" und alsdannauf. seine Mutter deutend sagte er zu seinem Jünger:Siehe,dies ist deine Mutter!" So empfahl er sie dem Schutzeund der liebevollen Vorsorge des Freundes, und dieser ehrte

*) Nach der Sage standen die drei Kreuze nicht in einer geraden Linie,sondern bildeten in ihrer Stellung ein Dreieck, dessen Spitze das KreuzJesu ausmachte, so daß dieser die beiden Räuber, die mit ihm gekreuzigtwurden, bequem ansetzn konnte. Die Sage berichtet, Jesus sey so gekreuzigtgewesen, daß sein Angesicht gegen Abend gewendet war und er die Mor-gcngegend im Rücken, Mitternacht also zur Rechten und Mittag zur Linkenhatte. Der bußfertige Räuber soll Dimas geheißen haben. (Bergl. S. 82).