370
Sechstes Buch.
fühlten sich zu ihm hingezogen; allein aus Furcht vor den.Banne, mit welchem der Hoherath gedroht hatte, gaben siesich nicht öffentlich als seine Anhänger und Verehrer zuerkennen.
Um das Vertrauen zu ihm noch mehr zu befestigen,erklärte Jesus endlich, daß wer ihm Zutrauen schenke, eigent-lich Gott vertraue, der ihn gesendet habe. Ueberhaupt ge-winne mau durch ihn nähere Kenntniß von Gott; und des-halb sey er unter den Menschen erschienen, um denselben zudieser Erkenntniß zu verhelfen. Uebrigcns spreche er überdiejenigen, welche ihm jetzt ihr Vertrauen nicht schenken woll-ten, kein Verdammungsurtheil aus; denn er wolle die Menschennicht unglücklich, sondern vielmehr glücklich machen. Jederstrafe sich schon selbst dadurch, das er seine (Jesu) beseligendeLehre nicht annehme und befolge. Er lehre nicht unbefugt,sondern sein Vater im Himmel habe ihn dazu Auftrag er-theilt; und er wisse, daß das, was er auf Gottes Geheißvollbringen solle, die Menschen bleibend beglücke.
Sechstes Buch.
Wanderungen Jesu während seiner Leiden.
Jesus begibt sich von Jerusalem nach Bethanien.
iMatkh. II, 17. Mark. II, I1.>
Die höchste äußere und öffentliche Ehrenbezeigung warJesu bei seinem feierlichen Einzüge in Jerusalem geworden,sie war aber auch die erste und letzte und ihm hatte sie nichtdie höchste Freude bringen können, da er die Unbeständigkeitder großen Menge nur zu wohl kannte, da er wußte, daßjene Aufregung des Volkes, in welcher es jubelnd ihn in derHauptstadt einführte, aus einer irdischen Erwartung hervor-gegangen war, die er nicht erfüllen konnte und wollte, undda er immer deutlicher einsah, daß seine Todesstunde bald