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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Sechstes Buch.

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Diesen Qualen wurde der schuldlose Jesus, der nur >zum Besten der Menschheit thätig gewesen war, preis gege-ben ; und zu um so größerer Schmach wurde er in der Mittevon zwei Räubern gekreuzigt, als wenn er der größte Ver-brecher und gleichsam ihr Anführer gewesen wäre. Jesusaber ließ Alles ruhig mit sich geschehn, was man mit ihmvornahm, und da er wohl wußte, daß die Soldaten, die <

ihn kreuzigten und die Martern ihm verursachten, keine Schulddabei hatten, sondern als Untergebene thun mußten, was ^ihnen aufgetragen worden war, so sprach er, sein Herz zu 1Gott erhebend:Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, iwas sie thun." j

Nachdem Jesus an dem Kreuze erhöhet worden war, !nahmen die vier Soldaten, welche die Kreuzigung vollzogen !hatten, seine Kleider, um dieselben unter sich zu theilen.Das Oberklcid, welches aus einem großen viereckigen StückeTuch bestand, konnte leicht in vier Theile zerschnitten werden;allein das ging bei dem Unterkleide nicht; denn dieses bestand ;bei den Rabbincn und Priestern der Juden aus einem Rocke, ^der keine Naht hatte, sondern ein ganzes Gewebe ausmachte *).Darum ließen die Soldaten über dasselbe das Loos entscheiden. !

Die Römer hatten die Gewohnheit bei der Hinrichtungeines Verbrechers am Kreuze die Ursache seiner Todesstrafeentweder durch einen Herold ausrufen zu lassen, oder schrift-lich anzuzeigen, indem sie eine Tafel, auf welche sie geschrie-ben war, vor dem Vcrurthciltcn Hertragen ließen, oder obenan das Kreuz hefteten. Das letzte that man auch bei Jesu,den man gleich dem größten Verbrecher behandelte; dennPilatus ließ eine Tafel mit der Aufschrift:Jesus von Na-zarcth, König der Juden", oben an das Kreuz des edlenDulders heften. Die Aufschrift war in drei verschiedenen 'Sprachen, in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache ^

*) Nach einer alten Sage soll Maria, Jesu Mutter, dieses Unterkleidihres Sohnes selbst verfertigt haben. Sonst zeigte mau dasselbe in demDome zu Trier. Es hatte keine Naht, war 5 Fuß lang, unter den Aer-meln enger und erweiterte sich nach unten. Jeder Äermel war einen halbenFuß lang und einen Fuß weit. In der Laterankirchc zu Rom zeigt manauch einen Stein, auf dem die Soldaten die Theilung der Kleider Jesuvorgenommen haben sollen.