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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 439

lich auch bei Jesu geschah *). Man kann sich leicht vorstel-len, welche schrecklichen Martern die Gekreuzigten unter sol-chen Umstanden auszustehn haben mußten. Da die Armeaufwärts gehoben waren, so befand sich der Leib in einervöllig unnatürlichen Lage, die schon nach kurzer Zeit uner-träglich werden mußte. Jede Bewegung aber, die der Ge-I kreuzigte machte, mußte ihm den größten Schmerz verursachen,H weil der Körper durch die vorhergegangene Geißelung zer-i fleischt war und die Nägel gerade durch einen sehr empsind-' lichen Theil gingen. Da die verwundeten Stellen des Kör-pers der Berührung der freien Luft ausgesetzt waren, sgmußten sie in Brand gerathen und dadurch den Schmerz ver-' mehren. Zugleich trat durch die unnatürliche Lage des Kör-pers eine Hemmung des regelmäßigen Blutumlaufs ein; esfand nun ein starkes Zuströmen des Blutes nach dem Kopfestatt, und dabei wurde das Herz beklemmt, so daß die Qualdes Unglücklichen immer mehr zunehmen mußte. Und unter^ diesen Qualen lebte der Gekreuzigte, wenn nicht besondere» Umstände eintraten, gewöhnlich drei bis vier Tage, ehe derTod seine Marter endigte.

") Die Maler stellen die Kreuzigung Jesu gewöhnlich so vor, alswenn der edle Dulder schon vor der Aufrichtung des Kreuzes, als es nochhorizontal auf der Erde lag, an dasselbe genagelt und hierauf mit ihmzugleich in die senkrechte Stellung versetzt worden sey; allein auf dieseWeise wurde nach den Nachrichten der Alten die Kreuzigung nicht vollzo-gen. Auch stelle» die Griechen den gekreuzigten Jesus immer so dar, alssey durch jede Hand und jeden Fuß ein Nagel geschlagen gewesen; alsdannbringt man unten am Kreuze eine Art von Fußschemel an, auf welchem! die Fuße ruhen, und auf dem sie festgenagelt sind; aber auch von dieserArt zu kreuzige» berichten glaubwürdige alte Schriftsteller nichts; sondernsie sprechen nur von dem oben erwähnten Pflocke in der Mitte des senk-rechten Balkens. Andere nehmen an, die Fuße des Gekreuzigten seyen übereinander gelegt, und durch beide zugleich wäre ein einziger Nagel getriebenworden. Diese Ansicht hat hauptsächlich die Römisch-katholische Kirche.Diese Art zu kreuzigen ist aber wohl, wenn sie ja vorkam, nur höchst sel-, ten angewendet worden, bei Jesu übrigens wohl nicht; denn er beruft sich(Jvh. 20,20.) nach seiner Auferstehung auf keine Nägelmale der Füße, sondernnur der Hände, und als er Hände und Füße zeigte (Luk. 24, 39.), so thater dieses, damit seine Jünger dieselben anfühlen und daran erkennen sollten,daß er kein Geist sey, sondern Fleisch und Bein habe. Nagel vom KreuzeJesu und Stücke derselbe» zeigt man in mehreren katholischen Kirchen.Die Kaiserin Helena soll zwei Nägel von Jesu Kreuze in dem Zaume desPferdes, und einen an dem Helme ihres Sohnes, des Kaisers Konstantinhaben anbringen lassen, um ihn vor seinen Feinden dadurch zu schützen,i und einen Nagel vom Kreuze Jesu soll sie in das Adriatische Meer gewor-fen habe», um dessen Stürme zu mindern.