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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Sechstes Buch.

und PilatuS seine Gewalt auch über Galiläa erweitert zusehn wünschte. Pilatus jedoch wollte jetzt nur aus einer

großen Verlegenheit sich befreien und sendete Jesum daherzu dem Könige Herodes Antipas, ohne den Zwiespalt zuberücksichtigen, der zwischen ihnen herrschte. Der eitle Hero-des aber nahm das Verfahren des Landpflegers als eineAnerkennung seiner Macht in Galiläa auf und wurde dadurch ?mit ihm versöhnt. Zugleich freute er sich Jesum zu sehn, Iwas er schon längst gewünscht hatte, und hoffte, daß Jesus ^einige Wunder in seiner Gegenwart thun sollte. Allein deredle Dulder gab auf alle Fragen, die Herodes an ihn that,keine Antwort, weil der Tetrarch blos seine Neugierde be-friedigen wollte, wozu Jesus nie willfährig sich zeigte. Selbstals die Abgeordneten des Hohenrathes ihn vor Herodes ver-klagten, sagte Jesus nichts zu seiner Vertheidigung, weil erim voraus wußte, daß jedes Wort von seiner Seite frucht-los bleiben würde. Dieses Benehmen Jesu verdroß denTelrarchen, und nun trieben er und seine Hofleute ihre Kurz- ,

weil mit dem erhabenen Gottgesandten, indem sie denselben i

verspotteten und mißhandelten. Zuletzt ließ Herodes zum ^

Spott Jesu einen verblichnen rothen Königsmantel umhängenund sendete den edlen Dulder in diesem Auszuge zu -Pilatuszurück.

Der Palast des Herodes Antipas, von welchem j

man noch bedeutende Ueberreste zeigt, ist ohngefahr 100 !

Schritte von dem Prätorium entfernt. Er ist zwei Stock !

hoch, sieht einem großen Kloster ähnlich und zeichnet sich j

vorzüglich durch seine Vorderseite vor allen Gebäuden des ^

heutigen Jerusalems aus. Er soll auf der Stelle des altenPalastes wieder aufgebaut worden seyn. In einem außerhalbdes Palastes befindlichen Saale erblickt man in der Mauereine Marmorplatte mit einer Inschrift, nach welcher Jesus ,hier mit jenem Mantel bekleidet worden seyn soll. DieserSaal hat 25 Fuß ins Gevierte. Sein Gewölbe wird vonvier Pfeilern unterstützt. Er war in der letzten Zeit in demBesitze des Türkischen Kommandanten.

Als Jesus zu dem Römischen Landpfleger zurückgebrachtworden war und dieser also sah, daß ihm sein Anschlag nichts