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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 427

gefruchtet hatte, so erklärte er den anwesenden Priestern undweitesten und dem versammelten Volke nochmals, daß erJesum nach angestellter Untersuchung für schuldlos erkennenmüsse und daß auch Herodes nichts an demselben habe findenkönnen, was ihn des Todes würdig machen könnte. Hieraufthat er ihnen den Vorschlag, er wolle Jesum einigermaßenzüchtigen lassen und ihn alsdann in Freiheit setzen. Alleinauch dieser Vorschlag stellte die Feinde Jesu nicht zufrieden,die fortwährend und hartnäckig auf dessen Tod bestanden.Nun versuchte Pilatus noch ein Mittel, um Jesu zur Frei-heit zu verhelfen. Um die Gunst der Juden sich mehr zu-zuwenden, hatte nämlich der Kaiser Augustus dem JüdischenVolke das Recht zugestanden, am Passahfeste einen Gefange-nen loszubitten. Damals aber war außer Jesu nur ein Ge-fangener vorhanden, dem man das Urtheil noch nicht ge-sprochen hatte und der wahrscheinlich Jesus Barabbas hieß.Dieser war bei einem Aufruhre, von welchem uns nichtsNäheres bekannt ist, ergriffen worden und hatte sich einesMordes schuldig gemacht. Daher sagte Pilatus zu den Ju-den: „Ihr pflegt am Passahfeste einen der Gefangenen los-zubitten; welchen soll ich euch also losgeben: den Jesus Ba-rabbas, oder Jesum, den ihr Christus nennt?" Er glaubtedabei, daß die Juden ohnmöglich einen Mörder Jesu vorziehnwürden; allein er irrte sich; denn die Juden, die wahrschein-lich durch die Pharisäer, Priester und Aeltesten gestimmtworden waren, baten den Mörder Barabbas los. Und alsPilatus sie fragte, was er mit Jesu machen sollte, so schrienAlle: „Laß ihn kreuzigen!" Bei dieser Forderung beharrtensie auch, nachdem Pilatus ihnen nochmals vorgestellt hatte,daß Jesus den Tod nicht verdiene.

Während dieses geschah wurde Pilatus von Seiten sei-ner Gemahlin *) ersucht, daß er doch den schuldlosen Jesusnicht zum Tode verurtheilen möchte, denn sie sey in einemTraume viel mit ihm beschäftigt gewesen. Da nun die Hei-den, eben so wie die Juden, die Träume für göttliche Ckn-

*) Mehrere alte Schriftsteller nenne» die Gemahlin des PilatusClaudia Procula oder Proscnla, auch Procle. Manche machensie nicht allein zu einer Christin, sondern sogar zu einer Heiligen.