Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 425
sie betrat. Gewöhnlich rutschen diejenigen, welche Ablaß zuhaben wünschen, auf den Knien auf ihr empor.
Durch den Thorweg tritt man in einen Hof, der 20Schritte ins Gevierte hat und voller Ruinen ist. Wennman sich hier rechts wendet, so sieht man durch zwei Fensteroder Luftlöcher in zwei große und lange Gewölbe, die vonmehreren Pfeilern unterstützt werden, unter welchen man sonstaus dem Prätorium in den Tystus oder bedeckten Bogen-gang ging, der jetzt noch von den Christen der Schwib-bogen des Pilatus genannt wird. Wenn man guecdurch den Hof geht, so gelangt man links zu dem Gerichts-saale, der 40 Schritte lang und 30 Schritte breit ist. Manbehauptet, das Prätorium sey bei der Zerstörung Jerusalemsdurch Titus unversehrt geblieben und was davon noch stehe,sey also noch völlig in dem Zustande vorhanden, in welchemes sich zu Jesu Zeiten befand. Es diente bisher dem Tür-kischen Kommandanten der Stadt zur Wohnung.
LVII.
Jesus wird zu dem Könige Herodcs und von da zurück vorPilatus gesührt.
tMakth. 27, 15 — 30. Mark. 15, 6 - 1 S. Lttk. 23. 6-25. Joh. 18, 3g u. 1V. u. Iv,
1 —1L.>
Pilatus befand sich wegen Jesu in keiner, geringen Ver-legenheit; denn er erkannte dessen Unschuld und sah wohl ein,daß die Juden ihn nur aus Haß verklagten; aber er wollteauch den Hohenrath sich nicht zum Feinde machen, damitdieser nicht etwa Beschwerde über ihn beim Kaiser Tiberiusführte, der keine Erpressungen und Unterdrückungen, wie siePilatus sich mehreremale hatte zu Schulden kommen lassen,in den Provinzen duldete. Daher ergriff der Römische Land-pfleger begierig die sich ihm darbietende Gelegenheit, um dieSache von sich zu entfernen. Als er nämlich hörte, daßJesus ein Galiläer sey, so wollte er die Entscheidung demTctrarchen von Galiläa übertragen, mit dem er keineswegsin Freundschaft lebte, da Herodes Antipas die Macht, dieer in Galiläa besaß, gern auch in Judäa ausgeübt hätte,