422 Sechstes Buch.
es, daß er zerriß und die Eingeweide verschüttet wurden(Apostelg. 1, 18.).
Die Priester aber hielten es für sündlich, das Blutgeldin den Tempelschatz zu legen; daher kauften sie in der Folgeden Töpfersacker dafür, den sie zum Begräbnißplatze fürFremde bestimmten. Dieser Acker führte alsdann den NamenHakeldama, Blutacker. (Vergl. S. 376.)
Nachdem der Zug, der Jesum geleitete und unter wel-chem sich auch mehrere Mitglieder des Hohenrathes befanden,an dem Pratorium oder dem Palaste, den der Landpfle-ger bei seiner Anwesenheit in Jerusalem bewohnte, angekom-men war, wurde Jesus wahrscheinlich allein von den Römi-schen Soldaten hineingeführt; die Juden aber, die mit ihmgekommen waren, blieben vor dem Pratorium stehn, um sichnicht durch die Betrctung einer heidnischen Wohnung zu ver-unreinigen und nicht gehindert zu werden, von den Festopfernzu essen. Pilatus, der sich in die Gewohnheiten der Judenzu fügen wußte, kam deshalb heraus zu ihnen, um ihr An-bringen zu vernehmen. Auch pflegten die Römer überhauptunter freiem Himmel Gericht zu halten; daher befand sichvor dem Prärorium ein erhöhter Platz, der mit bunten Stein-platten belegt war und auf welchem der Richterstuhl stand.
Pilatus fragte die Mitglieder des Hohenrathes,' welchemit Jesu herbeigekommen waren, was sie für eine Beschwerdegegen den Mann, den sie zu ihm gebracht, zu führen hätten.Auf diese Frage gaben sie keine bestimmte Antwort, dennsie wußten wohl, daß ihre Beschuldigung, Jesus habe sichGottessohn genannt und dadurch Gott gelästert, bei einemHeiden wenig Gewicht haben würde, da die Heiden ausge-zeichnete Männer als Söhne ihrer Götter zu bezeichnen pfleg-ten. Sie erwiederten also im Allgemeinen, wenn er keinUebelthäter wäre, so würden sie denselben nicht vor das Ge-richt des Landpflegers gestellt haben, und hofften, damitwürde sich Pilatus begnügen lassen. Allein dieser mochtevon Jesu schon Manches vernommen haben und wissen, daßdie Sache blos die Religion der Juden betraf; deshalb sagteer zu Jesu Feinden, sie möchten den Angeklagten nach ihremGesetze richten. Die Juden sahen also, daß sie ohne eine