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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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421
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Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 421

Zu jener Zeit, als Jesus zum Tode verurtheilt wurde,war der Römische Ritter Pontius Pilatus Landpflegerin Palästina, der im 13. Jahre der Regierung des KaisersTiberius sein Amt angetreten hatte und dasselbe ohngefähr10 Jahre verwaltete. Er war stolz, eigensinnig, hart, grau-sam, heftig und schwer zu besänftigen; er ließ sich bestechen,krankte die Juden auf vielfache Weise, ließ sich manchenRaub zu Schulden kommen, mißhandelte oft Leute, die nichtsUnrechtes begangen hatten und nicht verurtheilt worden wa-ren und übte mehrere Schandthaten. Dabei fürchtete er sichsehr vor des Kaisers Ungenade. Zu diesem wurde Jesusgeführt. Sein Palast soll in der Neustadt gelegen haben,so daß also Jesus fast von einem Ende der Stadt bis zumandern, in der längsten Ausdehnung derselben, geführt wurdeund einen Weg von wenigstens 1200 Schritten machenmußte.

Als der Verräther Judas sahe, daß Jesus von seinenFeinden den Römern übergeben wurde, und nun wohl merkte,daß sein edler Lehrer eines schmachvollen Todes würde ster-ben müssen, weil derselbe nichts that, um sich aus der Ge-walt seiner Feinde zu befreien; da faßte ihn herbe Reuewegen seiner Uebelthat. Das von dem Hohenrathe empfangeneGeld erschien ihm jetzt als Sündengeld, das er los zu seynwünschte; und daher eilte er zu den Oberpriestern und Aelte-sten, brachte denselben die 30 Silbcrlinge zurück und be-kannte ihnen, daß er schwer gesündigt, weil er ihnen einenSchuldlosen verrathen habe. Allein er fand kein Mitleidund kein Gehör. „Was geht uns das an? Das ist deineSache!" war die Antwort. Das brachte ihn zur Verzweif-lung, denn ihm fehlte die sittliche Kraft, durch welche Petrusvon seinem Falle sich aufrichtete. Er lief nach dem Tempel,warf das Geld in eine der dort befindlichen Kisten, in welcheman Almosen einzulegen pflegte, und ging hierauf in seinerVerzweiflung hin und erhängte sich, wie man glaubt, indem Thale Hinnon. Entweder riß alsdann der Strick, sodaß der Leichnam herabfiel und von einander borst, oder die-ser wurde auf Befehl der Obrigkeit herabgestürzt, weil keinGehenkter über Nacht hängen bleiben durfte; und so geschah