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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Sechstes Buch.

daß die größte Betrübniß sein Herz erfülle, und daß sie des-halb mit ihm wach bleiben möchten. Hierauf entfernte ersich ohngefähr einen Steinwurf weit von ihnen, siel auf seineKnie, ja sogar auf sein Angesicht nieder, wie es die Mor-genländer beim Gebet zu thun pflegen, und wodurch sie Ehr-furcht vor Gott und Demuth zu erkennen geben, und batseinen himmlischen Vater, ihn aus der angstvollen Lage zubefreien. Aber damit wollte er Gott keine Vorschrift machen,sondern wie der ächte Gottergebene es thut, fügte er sogleichzu jenem Wunsche die Worte: „doch nicht wie ich will, son-dern wie du willst!" Die Bewegung seines menschlich füh-lenden Herzens war jedoch dabei so stark, und der innereKampf, welchen die Aussicht auf sein nahe bevorstehendesherbes Geschick in ihm erregte, so heftig, daß ein starkerSchweiß an ihm ausbrach, dessen Tropfen dicht und schwerwie Blutstropfen herabrannen. Zweimal noch wiederholte erjenes Gebet, ging aber jedesmal, nachdem er gebetet hatte,zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend. Daher ermähnteer sie freundlich zur Wachsamkeit, und da Petrus erst kurzvorher versprochen hatte, mit ihm in den Tod zu gehn, sowendete er sich vorzüglich zu diesem und sagte: „Nicht ein-

mal eine Stunde hindurch könnt ihr mit mir wachen! EuerWille ist wohl gut, aber ihr seyd noch schwach in der Aus-führung, daher müßt ihr Gott um Kraft bitten." Nach-dem Jesus das drittcmal sein Gebet vollendet hatte, empfander die Stärkung, die durch würdiges und inbrünstiges Gebetdem Menschen zu Theil wird: seine Beängstigung war ver-schwunden, und entschlossen und muthig fühlte er sich nun,Alles zu dulden, was Gott über ihn verfügen würde. Jetzthatte er in Wahrheit die Welt überwunden. Er trat hier-auf zu seinen Jüngern und sprach: „Wolltet ihr jetzt wohl

noch schlafen, da der Verrather naht und ich gefangen ge-nommen werden soll? -Kommt laßt uns von hier weggehn!"

Kaum hatte Jesus das gesagt, so kam Judas, deröfter mit seinem Lehrer an diesem Aufenthaltsorte gewesenwar, und führte die Gerichtsdiener des Hohenrathes herbei,welche von einem Theile der Lempelwache begleitet wurden,den man wahrscheinlich aus Vorsorge mitgenommen hatte,