Wanderungen Jesu während seiner Leiden. 409
den göttlichen Geist zum Tröster senden wolle, der ihnenhellere Erkenntniß verleihen und sie zu edler Wirksamkeit fähigmachen werde, und daß sie dann große Freude haben würden,obschon sie nicht frei von Leiden blieben; auch würde Gottihr Gebet stets erhören, daß sie in den Angelegenheiten sei-nes Reiches vor ihn bringen würden. Uebrigens ermunterter sie zu treuer Ergebenheit gegen ihn und zu freudigemGehorsam gegen seine Vorschriften; auch bittet er sie noch-mals, sich unter einander innig zu lieben. Endlich machter sie noch darauf aufmerksam, daß sie an ihn irre werdenund ihn auf einige Zeit verlassen würden, und versichert zu-letzt, er habe sich nun von allem Irdischen gelöst. Hieraufbetete er auf das innigste und rührendste zu seinem himmli-schen Vater für sich, für seine Jünger und für alle seineBekenner, und legte in diesem Gebete die größte Gottergeben-heit, das höchste Vertrauen zu seinem himmlischen Vater unddie wärmste Liebe gegen die Seinen dar.
Sein Weg ging über den Bach Kidron nach Geth-semane, welches ein Meierhof war, in dessen Umgebungsich liebliche Gärten befanden, die hauptsächlich Oclbäumeenthielten. Wahrscheinlich wurden hier die Oliven ausge-preßt, die man in der Umgegend gewann, denn Gethsemaneheißt Oelprcsse. In diesem Meierhofe war Jesus öfter ge-! Wesen, daher kannte auch Judas den Ort und wußte seinenLehrer um so leichter aufzufinden. Jetzt erblickt man nureinige geringe Steinhaufen auf der Stelle, wo einst Gcth-scmane stand, für welches heutiges Tages der Name Dsehes-manije bei den Arabern gewöhnlich ist.
Als -Jesus in Gethsemane angekommen war begab ersich nicht in die Wohnung, sondern da er stets gern in der^ freien Natur seinen Aufenthalt genommen hatte, so blieb erj auch jetzt im Freien, wo sein sorgenvolles Herz weniger! beengt sich fühlen mußte. Er ging in einen dort befindlichen! Garten. Am Eingänge desselben ließ er seine Jünger zurück! und nahm nur seine drei vertrautesten Schüler, Petrus, Ja-^ kobus und Johannes, weiter mit sich, um nicht völlig ein-- sam zu seyn in der ernsten Stunde, wo sein Schicksal sichz entschied. Als er mit ihnen allein war, bekannte er ihnen,