Reisen Jesu der dritten Periode rc.
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zu Ehren ein Gastmahl angestellt, welchem der von dem göttlichenMenschenfreunde in das Leben zurückgerufene Lazarus als Gast bei-wohnte, und bei welchem Martha als Wirthin den Tisch besorgte»i Während der Mahlzeit kam Maria, die andere Schwester des Laza-! rus, herbei und brachte ein alabasternes Gefäß, in welchem sichf ein Pfund köstliche unverfälschte Nardensalbe befand, die viel-f leicht zum Begräbniß und zur Einbalsamirung des Lazarus
> bestimmt gewesen war und einen Werth von ohngefähr 30Thalern nach unserem Gelde hatte. Mit dieser Salbe wollteMaria ihrem edlen Freunde einen Dienst erweisen, den Vor-
, nehme und Reiche in dem Morgenlande ihren Gästen zu lei-sten pflegten, und damit zugleich dem, welcher ihr durch dieErweckung ihres Bruders und durch seine Belehrungen diegrößten Freundschaftsdienste erwiesen hatte, ihre dankbare Er-gebenheit und Liebe an den Tag legen. Sie zerbrach dasGefäß, goß von der Salbe, die das ganze Gemach mit Wohl-geruch erfüllte, auf Jesu Haupt und Füße und trocknete diesemit ihren langen Haupthaaren ab, die als eine vorzügliche
> Zierde der Frauen galten und sehr in Ehren gehalten wurden»Daher gab Maria durch dieses ihr Verfahren um so mehrzu erkennen, wie hoch sie ihren göttlichen Freund ehrte. IhreHandlung fand aber bei Jesu Jüngern nicht die rechte Aner-kennung und vorzüglich äußerte sich Judas Jscharioth miß-billigend darüber und meinte, es sey besser gewesen, wennman die Salbe verkauft und das Geld dafür den Armen ge-geben hätte. Nach der Aeußerung des Evangelisten Johan-nes ging jene Mißbilligung des Judas nicht aus wirklicherVorsorge für die Armen, sondern aus dessen Eigennutz undHabsucht hervor. Denn er führte die gemeinschaftliche Kasse,in welcher die Beiträge der Freunde Jesu gesammelt, undaus welcher die nothwendigen Bedürfnisse der Gesellschaft, die
^ Jesus mit seinen zwölf Jüngern bildete, angeschafft wurden.Aus dieser Kasse scheint Judas so Manches zu seinem eignenVortheile verwendet zu haben, weshalb er von Johannes einDieb genannt wird. Wahrscheinlich war aber damals dieGesellschaftskasse ziemlich erschöpft, da Jesus die letzte Zeitüber größtentheils in Pcräa gewesen, wo er weniger ihm er-gebene Freunde besessen zu haben scheint, und lange nicht nach