Reisen Jesu der dritten Periode rc. 217
sie an demselben im Tempelgebäude Feuer zu den Opfern an-zündeten und die Opfcrthicre schlachteten, ohne sich deshalbeines Verbrechens schuldig zu machen. Und endlich sagt Je-sus den Pharisäern frei heraus, daß der Sabbath zum Beßtender Menschen, aber nicht ihnen zum Nachtheil angeordnet wor-den sey, und daß er selbst, als Messias, wohl das Recht habe,in Hinsicht des Sabbathes andere Bestimmungen zu treffen,besonders , da Gott weniger Gefallen an der Beobachtung äu-ßerer Gebräuche, als vielmehr an edlen Thaten und menschen-freundlichen Handlungen habe.
Noch jetzt zeigt man in der Nähe von Kana, ohngefäheeine halbe Stunde von der Stadt ein Feld, das jenes Aehren-feld gewesen seyn soll, von welchem Jesu Jünger damals dieAchren abrupften, das aber jetzt nicht angebaut ist. Auchzeigt man eine Terebinthe, die auf der Stelle stehn soll, woJesus seine Jünger gegen die Anklage der Pharisäer vertheidigte.
An einem der folgenden Sabbathe ging Jesus in dieSynagoge, wahrscheinlich zu Kapernaum, oder in einer andernStadt am See Genesareth, denn die Evangelisten nennen denNamen der Stadt nicht. Hier befand sich ein Mensch, dereine vertrocknete Hand hatte und der ohne Zweifel von Jesugeheilt zu seyn wünschte. Die Pharisäer, die täglich feindli-cher gegen Jesum gesinnt wurden, lauerten begierig darauf,was derselbe thun würde. Denn wenn er den Kranken amSabbathe heilte, so glaubten sie hinlänglichen Grund zu haben,ihn als einen Uebertrcter des göttlichen Gesetzes bei dem ho-hen Rathe zu Jerusalem zu verklagen, oder ihn doch in dewAugen des Volkes herabsetzen und ihn verdächtig machen zukönnen. Jesus aber merkte ihre Absicht. Er rief daher denKranken zu sich und ließ ihn in die Mitte treten. Hierauffragte er seine Widersacher: „Was soll man am Sabbathethun? Gutes, oder Böses? Das Leben erhalten, oder tödten?"Diese Frage war eine höchst verfängliche für sie; denn jedeAntwort auf dieselbe würde gegen sie gesprochen haben; da-her schwiegen sie lieber still. Unwillig und tief bewegt blickteJesus nun die Verstockten an, die absichtlich das Gute nichtanerkennen und der Wahrheit nicht die Ehre geben wollten,und vollzog die Heilung an dem Kranken»