Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 205
Betreten derselben nicht verunreinigten. Vorzüglich durstendie Priester keiner Leiche nahen, außer der eines sehr nahenVerwandten; der Hohepriester aber mußte sich von jeder fernhalten. Bald nach der Leichenbestattung wurde eine Mahlzeitgehalten, welche gewöhnlich die Freunde der Leidtragenden an-f stellten, um diese etwas zu zerstreuen. Die Frauen pflegtenmehrere Lage hindurch nach dem Begräbnisse geliebter Perso-nen, deren Gräber zu besuchen und dort zu weinen (Joh.
, ll, lU.).
i Eine große Anzahl der Einwohner Nains begleitete diei Leiche des Jünglings, weil das traurige Schicksal der Mutter^ allgemeine Theilnahme erregte. Auch Jesus wurde von demAnblicke der trauernden Wittwe, die ihre einzige Stütze zuGrabe tragen sah, auf das innigste gerührt, wobei wohl derGedanke an seine eigne Mutter sein Mitleid um so mehr er-
> wecken mochte. Menschenfreundlich, wie immer, trat er nunzu der Trauernden und suchte sie zu trösten; und alsdann ginger zu der Bahre, rührte den Todten an und rief: „Jünglingstehe auf!" Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so richtete
^ sich der Jüngling auf, sing an zu reden und wurde von Jesuf der freudig überraschten und staunenden Mutter zugeführt. Mit! großer Ehrfurcht sahen Alle, die zugegen waren, auf Jesum,k der den Todten in das Leben zurückgerufen hatte und erklärten
> ihn für einen großen Propheten. Dieses Ercigniß wurde überall^ verkündigt und Jesu Ruhm verbreitete sich von neuem nah und, fern. Er selbst aber hielt sich wahrscheinlich einige Zeit in^ Nain auf.
Nain war ein hübsches Städtchen in der Ebene Esdre-lon in einer angenehmen Gegend, worauf auch dessen Name,der die Freundliche bedeutet, hinweist. Es lag 2^ Stunde süd-östlich von Nazareth und ohngefähr 7 Stunden südwestlich vonf Kapcrnaum, am Fuße des kleinen Hermon. Das Städtchen! war nie von großer Bedeutung. Jetzt ist Nain ein kleinesDorf, bei welchem sich noch einige Ueberreste alter Gebäude! befinden. Die Einwohner desselben, die aus Christen, Moha-k niedanern und Juden bestehn, bebauen nothdürftig das umlie-! gknde Feld, das sehr fruchtbar ist.
Währschcinlich war es in Nain, wo die beiden Jünger