Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 189
sahen jetzt in ihrem Meister einen Gebieter über Sturm,md Meer.
Hierauf schifften sie vollends über den See hinüber undlangten an dem jenseitigen Ufer in Pcräa in der Nähe vonGadara an. Peräa wird in der heiligen Schrift gewöhnlichdas Land jenseit des Jordans (Match. 4, 25.) ge-nannt, was auch sein Name bezeichnet. Diese Provinz Pa-lästinas, die nicht viel kleiner war, als die drei Provinzendieffcit des Jordans zusammen genommen, begann am Jordanund ging morgcnwärts bis zu dem Gebirge Gilcad und demwüsten Arabien, und erstreckte sich von dem Antilibanon imNorden längs dem Jordan hinab bis zum Fluß Arnon unddem Lande der Moabitcr. Zu Jesu Zeiten bestand sie auszwei Hanpttheilen: aus dem Gebiete deö Tetrarchen Philip-pus, das den nördlichen größer» Theil der Provinz ausmachte,und aus dem eigentlichen Peräa im engern Sinne, das densüdlichen kleinern Theil derselben umfaßte nnd dem Tetrarchenvon Galiläa, dem Hcrodes Antipas, gehörte. Diese Provinzstand an Fruchtbarkeit im allgemeinen den drei Provinzen dies-seit des Jordans nach, weil sie einen sehr gebirgigen und san-digen Boden hatte; aber man traf in ihr auch einzelne frucht-bare Gegenden an; sie hatte mehrere angenehme Wald- undBcrglandschaften und gewährte auf ihren Höhen schöne Aus-sichten. Auch enthielt sie treffliche Weideplätze für das Vieh,vorzüglich in dem Gebirge Gilead. Die Einwohner dieserProvinz waren meistenthcils Heiden, nämlich: Griechen, Syrerund Araber; Juden gab es nur wenige darunter, weil diemeisten derselben sich nach der Rückkehr aus der babylonischenGefangenschaft dieffeit des Jordans niedergelassen hatten. DieJuden, welche in Peräa lebten, wurden von ihren Glaubens-genossen in Judäa wenig geachtet, besaßen aber in Wahrheitmehr Werth als diese, weil sie unter den andern Völkern ihrenStolz verloren hatten und gebildeter geworden waren, indemsie sich mehr mit den Künsten und Wissenschaften befreundetenals die Juden in Judäa, welche sich von allen Fremden ab-geschlossen hielten. Die Einwohner von Peräa beschäftigtensich vorzüglich mit Viehzucht, weil dazu ihr Land am meistensich eignete, und trieben auch einigen Handel. Jesus betrat