Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 181
Strafurtheil aus, in welchem dem Schuldigen gemeiniglich39 Geißclhiebe zuerkannt wurden. Wenn ausser dem Ober-sten der Synagoge noch andere Vorsteher angestellt waren, sohießen diese Ael teste, welche auf die gehörige Ordnung sehnmußten. Die Diener oder Aufwar ter der Synagogenhatten die Schlüssel in Verwahrung und nahmen die heiligenBücher aus dem Schranke heraus und bewahrten sie darinwieder auf. Die Bücher bestanden damals nicht wie diemistigen aus einzelnen zusammengehefteten Blattern, sondernaus langen Streifen Papier, Leinwand oder Pergament, dieauf der einen Seite beschrieben waren und um einen hölzernenStab zusammengerollt wurden. Die Schrift mußte also beimLesen aufgerollt werden. Außerdem befand sich noch ein Vor-sänger in der Synagoge, der die Gesänge anstimmte und dieGebete begann. Denn es wurden nicht allein Stellen ausden mosaischen und prophetischen Schriften in den Synagogenvorgelesen und erklärt, sondern auch erbauliche Vortrage ge-halten, Gebete gesprochen und Lobgesänge angestimmt. DieVersammlungen fanden an drei Lagen der Woche statt: amMontage, Donnerstage und Sabbathe, die Festtage ungerech-net. An jedem dieser Tage gingen die Juden dreimal in dieSynagoge, des Morgens, Mittags und Abends, um ihr Ge-ber daselbst zu verrichten. An den übrigen Tagen beteten sieebenfalls dreimal, aber zu Hause für sich allein. Die Ver-sammlung wurde mit dem Grusse: „der Herr," oder: „Friedesey mit Euch!" eröffnet; hierauf sang man ein Loblied aufGott; dann erfolgten die Vorlesungen und Vortrüge. EinGebet beschloß die Versammlung, wobei das Volk „Amen"sagte. Zuletzt pflegte man noch Almosen für die Armen ein-zusammeln. Die Stellen, welche aus den heiligen Schriftenvorgelesen wurden, dursten nicht unter 21 Verse betragen,wenn man keine Erklärung derselben gab, oder keinen Vortragüber sie hielt; in diesem Falle aber konnte man auch Weni-ger vorlesen. Uebri'gens konnte Jeder, der sich tüchtig dazufühlte, einen Vortrag in der Synagoge halten.
Dieses that denn auch Jesus, als er jetzt die Synagogein Nazareth besuchte. Nachdem er anfangs zugehört hatte,stieg er auf, um einen Vortrag zu halten. Man reichte ihm