Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 179
nicht;" womit er zugleich zu erkennen gab, daß sein Thun beidieser Art von Leuten wenig wirke, und er seine höhere Ab-sicht nicht nach Wunsche erreiche. Das anhaltende Bitten desMannes vermochte Jesum inzwischen doch zu der Versicherung,daß sein Sohn am Leben bleiben und wieder gesund werdenwürde. Der Mann glaubte auch erst hernach völlig, als erdie wirkliche Genesung erfuhr; vorher aber ließ er sich nur inHoffnung an der Versicherung genügen; so daß er nicht wei-ter auf das persönliche Kommen drang. In dieser Hoffnungkehrte er nach Kapernaum zurück und vernahm bei seiner An-kunft daselbst, daß am vorigen Tage, um die siebente Stunde,das ist Nachmittags um Ein Uhr, wo er bei Jesu sich be-funden hatte, es mit seinem Sohne wirklich besser gewor-' den war.
Die Juden theilten nämlich zu Jesu Zeit den Tag vottdem Erscheinen der Morgenröthe bis zum Einteilte der Abend-dämmerung in 12 Stunden, so daß von 6 bis 7 Uhr deSMorgens die erste, von 7 bis 8 Uhr die zweite Stunde u. s. w.war (Matth. 20, 3 — 6.).
XVIII.
Jesus geht nach Nazareth.
<Luk. 4. 14-M.>
Nachdem Jesus an mehreren Orten in Galiläa in denSynagogen mit großem Beifalle gelehrt hatte, begab er sich»ach Nazareth und trat daselbst am nächsten Sabbathe eben-falls lehrend in der Synagoge auf.
Eine Synagoge war ein öffentliches Gebäude, inwelchem die Juden ihre religiösen Versammlungen hielten, wiewir dieses in der Kirche thun. Sie befand sich entweder in-nerhalb oder außerhalb der Stadt, gemeiniglich an einem er-habenen Orte; denn sie mußte über alle anderen Häuser derStadt hervorragen und wurde daher thurmartig aufgebaut,wenn ihr Standort nicht die gehörige Höhe ertheilte. Siewar mit einem Dache bedeckt, was bei den Proseuchen»>cht statt fand, die aber auch eine andere Bestimmung hat-te». Die Proscuchen waren nämlich nur Bethäuser und be-
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