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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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Reisen Jesu der zweiten Periode rc. 175

der Abwesenheit seiner Jünger kam eine Samariterin, umWasser aus diesem Brunnen zu holen, das von den Sama-ritern vorzüglich geschätzt wurde. Mit dieser knüpfte Jesusein Gespräch an, ebenfalls gegen die Sitte der Rabbinen, diedas weibliche Geschlecht gewöhnlich geringschätzten *), das Je-sus hingegen erheben und in seine natürlichen Rechte einsetzen8 und der ganzen Achtung des Mannes würdig machen wollte.» Der Samariterin aber fiel es auf, daß ein Jude, als wel-I chcn sie Jesum an seiner Kleidung erkennen mußte, mit ihrk in ein Gespräch sich einließ und noch dazu eine Dienstleistungvon ihr forderte, da Jesus sie um einen Trunk Wasser bat;auch gab sie ihre Verwunderung darüber in Worten zu erken-nen. Doch Jesus wußte bald, vorzüglich auch dadurch, daß erihr eben nicht sittliches Leben und Verhalten zur Sprachebrachte, ihre Aufmerksamkeit ganz zu fesseln und auf sich zuwenden, und dadurch sich den Weg zu bahnen, daß sie umso achtsamer wurde, als er den höchsten Grundsatz seiner Lehreaussprach, daß nur eine geistige Verehrung Gottes durch einfrommes tugendhaftes Leben, des Höchsten würdig und ihmwohlgefällig sey. Ja er bewirkte durch seine eindringliche undergreifende Rede, daß sie in ihm den verheißenen Messias er-kannte, und eiligst in die Stadt lief und ihre Mitbürger her-. beiholte, um diese mit dem Messias ebenfalls bekannt zu ma-^ chcn**). Worauf Jesus sich nach Sichern begab und einigeTage daselbst blieb, indem er während dieser Zeit Manche' für das Gottesreich gewann.

*) In dem Talmud findet man die Aussprache:Ein Weib grüßt mangarnicht;" und:wer seine Tochter im Gesetz unterrichtet, ist wie Einer,der Starrheit treibt."

. Die griechischen Kirchenschrisistellcr nennen diese Samariterin Pho-tuie und erzählen, daß dieselbe, nachdem sie die christliche Lehre angenom-men hatte, ihre ganze Familie bekehrt habe. Hierauf habe sie sich nachAfrika begeben und dort die Einwohner der Stadt Karthago zum christli-chen Glauben geführt. Auch die Ihrigen sollen zur Verbreitung des Chri-stenthums gewirkt haben. Endlich habe der Kaiser Nero sie und ihre ganzeLannlie nach Rom bringen lassen und versucht, sie durch Martern von ih-rem Glauben abwendig zu machen. Allein Alles sey vergeblich gewesen undNichts hätte die Photine und die Ihrige» irre mache» können. Darüber seyendlich der Kaiser so erbittert worden, daß er sie nach den größten Qua-«u, die sie erleiden mußten, habe erwürgen lassen.