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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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zu wandern, wozu ihn wahrscheinlich mehrere Gründe veran-laßten. Um jene Zeit war nämlich Johannes der Täufer aufdes Königs Hcrodes Antipas Befehl ins Gefängniß gelegt wor-den, weil er auch zu diesem als strenger Sittenrichter gespro-chen hatte, denn bei ihm galt kein Ansetzn der Person*). Die-ses Ereigniß mochte wohl Einfluß auf Jesu Entschluß habenund ihn um so mehr bewegen, jene Gegend zu verlassen, woman seinen Freund aufgegriffen hatte. Dazu kam, daß diePharisäer auf ihn aufmerksam geworden waren und erbitter-ter gegen ihn als gegen Johannes sich zeigten, weil er nochstärker als jener ihre Heuchelei aufdeckte, sich weniger als Jo-hannes an die äußern menschlichen Satzungen der Schriftge-lehrten band, und einen größer» Einfluß als jener auf dasVolk gewann, auch mehrere Schüler um sich sammelte. Da.her begannen sie schon jetzt Jesu nachzustellen, und deshalbhielt es dieser für besser, ihnen aus dem Wege zu gehn.

Der kürzeste Weg von Jesu damaligem Aufenthaltortenach Galiläa ging durch Samaria, den die Juden aber nichtgern wählten, welchen jedoch Jesus jetzt einschlug, weil er nichtam Jordan Hinaufreisen, sondern die Nähe des Tetrarchen He-rodes Antipas vermeiden und bald nach Galiläa kommen wollte.Denn bei seiner vorurtheilsfreien und menschenfreundlichen Denk-art, fern von Sektengeiste und vom blinden Religionshaffe, ver-

*) Herodes Antipas kehrte auf einer Reise nach Rom bei seinemStiefbruder Herodes Philipp us, der als Privatmann lebte, ein, lernteda die Herodias, des Philippus Gemahlin kennen und verliebte sich insie. Er entdeckte ihr seine Liebe, und da er sich ebenfalls von ihr geliebtsah, so versprach er ihr, sich mit ihr zu vermählen, wenn er seine Reisevollendet haben würde. Sie gab ihre Zustimmung dazu, doch unter derWedingung, daß er seine bisherige Gemahlin, eine Tochter des Königs Arc-tas von Arabien, verstoßen sollte. Dieses versprach Herodes Antipas »übsetzte seine Reise fort. Unterdessen hatte seine Gemahlin von seinem Vor-haben Nachricht bekommen. Als er daher auf seiner Rückreise begriffen wer,so bat sie ihn, daß er sie nach Machärus bringen lassen sollte. Diese Bitteerfüllte ihr Gemahl. Allein kaum war sie dort angelangt, so eilte sie zuihrem Bater nach Arabien und klagte demselben ihres Gemahls Untreue.Herodes Antipas aber nahm nichts desto weniger die Herodias zu sich »ndlebte mit ihr. Eine solche Handlung verursachte nun ein großes Aergernißim ganzen Lande, empörte aber vorzüglich den rechtlichen Johannes, der mseinem Eifer für Wahrheit und Recht zum Tetrarchen sagte: ,,Es ist nichtRecht, Laß du deines Bruders Weib hast (Matth. 14, 4. Mark. 6, 17-4Diese Freimüthigkeit nahm Herodes so übel auf, daß er den edlen Johanne-in das Gefängniß zu Machärus setzen ließ.