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Die Reisen Jesu oder Beschreibung u. Schilderung des jüdischen Landes u. seiner Bewohner : mit 12 Kupfern u. 1 Kt.
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137
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Reisen Jesu der ersten Periode rc. 137

der von Engeln und Heiligen. Eine große Mauer schließtdiese Grotte auf der Seite des Abgrundes ein, so daß dasGanze eine Kapelle bildet, die durch ein Fenster Licht bekommt.Durch das Fenster blickt man nicht ohne Schauder in einegräßliche Tiefe hinab. Zur Seite der Grotte ist eine Cisterneangebracht, in der sich das von dem Berge zur Regenzeitherabfließcnde Wasser sammelt. Von hier aus gelangt manauf einem schmalen, nicht minder gefahrvollen Fußsteige aufden Gipfel des Berges. Um auf diesen zu kommen, brauchtman von dem Fuße des Berges ohngefähr anderthalb Stun-den Zeit; er wird aber nur selten erstiegen, weil die vielenBeschwerden und Gefahren die Reisenden davon zurückschrecken;und wer nicht frei von Schwindel ist, thut auch wohl, wenner unten bleibt. Auf den Gipfel dieses Berges soll Jesus vondem Versucher geführt worden seyn, und von da aus soll der-selbe ihm die umliegende Gegend gezeigt und die Herrschaftüber dieselbe versprochen haben, wenn er seinem Dienste sichweihte. Die Aussicht von dieser Höhe ist noch jetzt herrlich;denn man überblickt die Hälfte des todten Meeres, den Jor-dan in einer Länge von 10 Stunden, Jericho und viele Bergeund Thäler mit zahlreichen Ortschaften. Auf dem Gipfel desBerges hatte die Kaiserin Helena eine Kapelle erbauen lassen,von welcher jetzt nur einzelne Ueberreste noch bemerkt werden.

In den frühern Zeiten des Christenthums hatten sich,um Jesu nachzuahmen, mehrere Eremiten in den zahlreichen,an diesem Berge befindlichen Höhlen angesiedelt, und darinihr Leben zugebracht, obgleich der Berg so dürr und wüst istund von der Sonne so versengt wird, daß weder ein Baum,noch Strauch, noch Kraut daran wachsen kann, und der Blicknur auf nackte Felsen trifft. Was aber noch mehr in Erstau-nen und Verwunderung setzt, ist, daß man nicht einmal Fuß-steige nach den Höhlen bemerkt; daher vermuthet man, daßdie Bewohner derselben auf hölzernen oder Strick-Leitern da-hin gelangten und durch Brücken sich unter einander in Ver-bindung brachten, da sie alle Sonntage in der oben beschrie-benen Kapelle sich versammelt und daselbst Gottesdienst gehal-ten haben sollen. Uebrigens wallfahrten auch jetzt noch vieleChristen aus Judäa zu manchen Zeiten nach diesem Berge.