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Zweites Buch.
sten betäubt. Es steigen wohl nachtheilige Dünste aus demSee auf, die jenem in der Nähe desselben wohnenden arme»Arabern Krankheiten verursachen; aber so giftig sind sie nicht,daß sie jene Wirkung hervorbringen könnten. Auch ist esnicht wahr, daß ein Mensch auf dem Wasser des todten Mee-res wie Kork schwimme. Man weiß jetzt, daß Körper nachdem Verhältnisse ihrer specifischen Schwere auf ihm schwim-men, oder in ihm untersinken; nur wird man von dem Was-ser dieses Sees mehr in die Höhe gehoben und getragen, alsvon anderem Wasser. Endlich hat auch kein neuerer ReisendeRuinen von den untergegangenen Städten darin erblickt*).
Neuere Reisende haben das Vorhandenseyn der sogenann-ten Sodomsäpfel, von denen mancherlei erzählt wurde,noch nicht zur völligen Gewißheit erhoben. Der Baum, dersie trägt und den ein griechischer Geistlicher Ascheyr nannte,soll in der Nähe des todten Meeres wachsen und zwar vor-züglich in der Gegend, wo der Jordan sich in den See er-gießt. Er soll einem Feigenbäume ähnlich seyn, seine Blättersollen denen des Nußbaumes gleichen, und seine Früchte faß^wie Pomeranzen aussehn. Diese sollen sich zwischen den Fin- igern wie ein Schwamm zusammendrücken lassen, aber unter!der schönen Schale nichts als einen schwärzlichen Staub ent-halten. Seetzen hält sie für die Früchte eines Wollsame»-
*) Da die heilige Schrift (1. Mos. 19, 26.) erzählt, daß Loths Weib aufihrer Flucht von Sovom zur Salzsäule geworden sey, oder wie Manche es er-klären. umkam und mit einer Salzrinde überzogen wurde, so erzählt man, daßdiese Salzsäule in der Nähe des todten Meeres noch vorhanden sey, obgleich keinReisender sie selbst gesehn hat. Es soll ein Stein von 5 Fuß Länge und 6 FaßUmfang seyn und aus einem durchsichtigen Salze besteh«, das hart und demAlaun ähnlich ist. Die Araber zeigen diesen Stein Niemandem, sonder»sie schlagen, ihrer Angabe nach, Stücke davon ab und bringen sie den Mön-chen zu Jerusalem. Die Araber versichern, der Stein ergänze sich stetswieder, wenn man nicht viel auf einmal davon hinwegnehme. Diese Er-jscheinung wollen Manche durch die Annahme erklären, daß die aus demSee aufsteigenden Dünste die Lücken ausfüllten, indem sie sich in Salz ver-wandelten. Allein wahrscheinlich ist das Ganze ein eitles Vorgeben derAraber, und die Stucke Salz bringen sie von dem oben genannten Salz-berge, der in jener Gegend sich befindet. Denn ihrer Angabe »ach soll die-ser Salzstein südöstlich von den Bergen Engeddis, eine halbe Stunde vo»dem westlichen Ufer des todten Meeres liegen. Vielleicht beruht die ganzeSage auf einer unrichtigen Ueberfetzung jener Stelle; denn diese kann. hei-ßen: sie fiel in das Salz, oder in den salzigen Boden, in eine durch»gebrannte Grube, uad blieb hängen, oder kam nicht weiter.