Reisen der Eltern Jesu.
77
icicht verstellen, daß die Straßen derselben nicht alle eben seynpnntcn, sondern daß manche auf- und abwärts gehen muß-ten. Ihre Namen hatten sie meistentheils von den Handwer-kern, die in ihnen ihre Werkstätten hielten: denn man findeteine Bäckcrstraße, eine Fleischergasse und eine Woll-kämmergasfe erwähnt.
Der ganze Umfang der Stadt Jerusalem, nach ihreräußersten Ringmauer, betrug ohngefähr zwei Stunden. Die-Zahl der Einwohner mochte sich etwa auf 120000 belaufen,konnte aber zur Zeit des Osterfestes auch wohl auf eine Mil-lion steigen.
IV.
Rückkehr der Eltern Jesu mit ihrem Sohne von Jerusalem nach
^ ' Bethlehem.
! ' Nachdem Maria zu Jerusalem Alles, was das Gesetzeiner Wöchnerin vorschrieb, vollbracht hatte, und nachdem sievon dem Priester für rein erklärt worden war und daher wie-der in den gewöhnlichen Gesellschaftskreis berufsthätig eintre-ten konnte, kehrte sie mit ihrem Gatten und Sohne wahr-scheinlich nach Bethlehem zurück. Zwar hat es nach LukasL, 39. den Anschein, als wenn die Eltern Jesu sich sogleichnach Nazareth zurückbegeben hätten; allein wenn dieses jetzt
-schon geschehn wäre, so würde man die Begebenheiten, welcheMatthäus im, 2. Kapitel seines Evangeliums erzählt, nichtWohl in Jesu Jugendgeschichte einzureihen wissen, weil dieMagier nicht- wohl vor der Darstellung Jesu im Tempel an-langen konnten, und diese Jesum doch in Bethlehem fanden.Aus diesem Grunde muß man eine alte Sage als wahr gel-ten lassen, und annehmen, daß Maria mit den Ihrigen auseiner uns unbekannten Ursache von Jerusalem sich wieder nachBethlehem begab.
^ Der Weg dahin ging damals wahrscheinlich durch dasThalthor, da er jetzt durch das Bethlehemer Thor geht, undhierauf, wie schon früher erwähnt wurde, durch das Niesen-thal, daß sich südlich von Jerusalem hinzieht. Nicht weitdavon, wo man in dasselbe eingetreten ist, trifft man jetzt auf