6 Erstes Buch.
Schiffe, das auf einem Landsee schwebte, zu dem versammel-ten Volke, und suchte seine Zuhörer für Den zu begeistern undDem ganz zuzuwenden, der die Lilie auf dem Felde kleidetund den Sperling schützt und nährt, und der seine Sonneaufgehn läßt über Böse und Gute und regnen läßt über Ge-rechte und Ungerechte.
Außerdem war er auch ein sorgsamer Beobachter desMosaischen Gesetzes und säumte daher nicht, sich auf den Wegzu machen, wenn die Feier eines hohen Festes der Juden ihnnach Jerusalem rief. Endlich wurde er zuweilen genöthigt,seinen Aufenthalt zu verändern, um den Nachstellungen undVerfolgungen seiner Widersacher und Feinde zu entgehn, solange die Zeit noch nicht herbeigekommen war, wo er auchsein Leben zum Heil der Menschen opfern sollte. Dieses wa-ren die Veranlassungen der Reisen, welche Jesus unternahm,wozu zuweilen noch ein Besuch bei guten Freunden kam, beiwelchem er jedoch stets den hohen Zweck seiner Sendung imAuge hatte und behielt.
Auf allen diesen Reisen war Jesus höchst selten ganzallein; meistentheils begleiteten ihn jene zwölf Männer, die erzu seinen vertrauten Schülern ausgewählt hatte und die ervorzüglich in die Geheimnisse des Gottesreichs einzuweihensuchte, damit sie dereinst an seiner Stelle für dasselbe wirkensollten; und wenn auch nicht immer alle zwölfe um ihn wa-ren, so gingen doch wenigstens einige mit ihm, selbst dann,wenn er in der Einsamkeit auf der Höhe eines Berges durchGebet zu neuer Wirksamkeit sich stärken wollte. Gewöhnlichaber sammelten sich auf seinen Wanderungen viele Menschenum ihn und zogen auch wohl einige Zeit mit ihm, um seineReden zu vernehmen und seine Thaten zu schauen. Auch be-gleiteten ihn auf manchen seiner Reisen, vorzüglich auf denweiteren, wie es bei den Rabbinen Sitte war, einige Frauen,welche für die nothwendigsten Bedürfnisse Sorge trugen(Luk. 8, 1—3.).
Wenn Jesus auf seinep Reisen ausruhen und sich erho-len wollte, so kehrte er entweder bei Gastfrcunden ein, dieer an manchen Orten gewonnen hatte; oder er bat sich auchwohl selbst zu Gaste bei solchen Leuten, die ihm noch nicht