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Dritter Band (1833) M bis R
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Radzüoill (Familie)

der Kurfürst von Brandenburg bemühte, ihnen die Neichsftandschaft zu verschaf-fen. Eine Prinzessin R. war die Gemahlin des Königs Sigismund ll. August undJohanna Katharina, die Großmutter des Königs Stanislaus Lesczinski. Mehrealtfürstliche Hauser des In- und Auslandes waren mit Prinzessinnen von R. ver-mählt. Selbst der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ließ essich sehr angelegen sein, die Prinzessin Charlotte Louise von R,, Besitzerin desHerzogthums Lirze, mit seinem zweiten Sohne zu vermahlen. Als dieser Fürstkinderlos gestorben war, bot der pfalzneuburgische Prinz (nachmals Kurfürst) Karl,Philipp der Witwe seine Hand. Die Großmutter dieser Prinzessin, Gemahlin desFürsten Janusz R., war eine Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Bran-.denburg. Das Haus R. besitzt in den obengenannten Landern die HerzogtümerOlyka, Nieswicz, die Fürstentümer Dulimki, Kleck und Birze, die Graf-,schäften Mir, Biala, Kopyl, Slutyk, Koydanow und Kieydany nebst vielen tw-idern Gütern und Palästen zu Warschau, Gcodno und Krakau. Es therst sich invier Linien, von welchen die der Ordinären von Nieswicz und Olyka, der Ordinä-ren zu Kleck und der zu Birze die bekanntesten sind. Die erste erlosch 1813 und die^dritte schon früher. Von der vierten, dir sich wieder in zwei Aste lhyilte, fehlenauthentische Nachrichten. Doch findet sich manche wichtige Notiz in Okolski'sOrbis polonus" (3 Bde, Krakau 1641, Fo!.); Niesiecki'sKoroiiu(4 Bde., 1728, Fol.) und imGenealogischen Staarshandbuch" (Jahrgang1781). Über die erste und dritte Linie gibt dasselbe Werk (Jahrgang 1781,1805und 1811) Auskunft. Hier wird daher nur von der zweiten Linie, der zu Kleck,gehandelt, welche der ersten im Besitz von Nieswicz und Olyka gefolgt ist und jetztzwei Ordinate oder Majorate unter sich begreift. In der neuesten Zeit thaten sichvon den Mitgliedern dieser Familie hauptsächlich hervor:

Anton Heinrich, Fürst R., zwölfter Ordinat von Nieswicz und seit 1818elfter von Olyka, geboren am 13. Jun. 1775, seit 1796 mit der Prinzessin Frie-derike Dorothea Louise Philippine, der einzigen Tochter des Prinzen Ferdinand vonPreußen, vermahlt, seit 1815 preußischer Statthalter im Großherzogthum Posenund Mitglied des preußischen Staatsraths, der Würde in Ton und Haltung mitder herablassendsten Zuvorkommenheit verband, wissenschaftliche Bildung undgründliche Kenntnisse im Fache der Mathematik und Tonkunst mit allen geselligenTalenten eines feinen Weltmannes zu vereinigen wußte, und, mit großer Men-schenkenntnißausgrstattet, im Menschennurden Menschen ehrte. Erlebte bis in seinAlter nur der Kunst und den Musen. Zwar verwaltete er bei aller Geschaftsicheudie ihm 1815 von Friedrich Wilhelm III verliehene Statthalterschaft des Großher-zogthums Posen mit um so größerer Gewissenhaftigkeit und Treue, als er dadurchdem Vatcrlande und jedem Einzelnen seiner Landsleute den Tribut des Dankes undder Liebe darzubringen im Stande war, da er, obgleich durch die Bande der Ver-wandtschaft an Preußen gefesselt, im Herzen Post blieb. Den Herbst verlebte ergewöhnlich auf seinem Jagdschlösse Antonin bei Posen, wo er nach altsarmatischec.Weise den Freuden der Jagd sich hingab. Den Sommer über war der reizende Land-sitz Ruhberg bei Schmiedeberg in Schlesien sein Wphnoct. Hier.lehtc er mit derEinfachheit eines Bürgers nur seiner Familie und per Musik. Er war rzicht nurTonsetzer, sondern selbst ausübender Künstler und Virtuos auf dem Divloncell. Alledurch Geist und Talent ausgezeichneten Fremden fanden eine gastliche Aufnahme.In seinen vier Freunden, dem Gehejmräth von Michalöki, MusikdirektorZelter, dem Landschafter Rösel und dem geistreichen Novellendichter W. vonWachsmann, schien er StaatSkunst, Tonkunst, Malerei und Dichtkunst ehrenzu wollen. Das Neueste der in- und ausländischen Literatur, sowie das Kostbarsteder Kupferstechkunst war stets in den Sälen des Fürsten zu finden. Sein Fami-lienglück erhöhten vier Sohne und vier Töchter, und nur das Unglück seines Va-