52 Mauromichalis (Familie)
lichm Abgabe von 15 Beuteln verpflichtet hatte, welche aber in der That^nieentrichtet wurden. Erst nach dem durch den Einfall der Russen in Morea 1770veranlagen Aufstande der Mainoten wurde die Landschaft von dem Kapudan Pa-scha Hassan zu strengerer Unterwürfigkeit gezwungen, und mußte sich eine Capitu-lation gefallen lassen, der zufolge sie fortan von einem aus den angesehensten ein-heimischen Geschlechtern selbstgewählten, aber von der Pforte bestätigten Bei re-giert werden und einen Tribut von 30 Beuteln an den Sultan und 5 an denKapudan Pascha entrichten sollte. So entstand die eigenthümliche Würde ei-nes Beis der Mainoten, welche in den letzten Zeiten der Familie derMauromi -chalis zuerkannt worden war. Ursprünglich hatte diese Familie zu den acht Ge-schlechtern jener Stammhäupter gehört, welche als anerkannte Kapitanis den ver-schiedenen Distrikten der Landschaft im Frieden Nichter, im Kriege Führer waren,und zwar hatte sie ihren Sitz in dem Districte Tzimova, welcher zu einem der dreiHauptdistricte, Meso-Mani (die zwei andern sind Kato-Mani und Exo-Mani) ge-rechnet wurde. Von Tzimova aus hatte die sehr ausgebreitete Familie der Mauro-michalis in früher Zeit ihren Einfluß über den genannten District Meso-Mani gel-tend gemacht, und war theils hierdurch, theils durch die Vermittelung der franzö-sischen und englischen Gesandten, welche sie ihren Nationen verbindlich zu machenwünschten, bei dem Divan in so hohe Achtung gekommen, daß Pietro M. (ge-wöhnlich kurz Kyr-Petruni genannt) nach dem Tode des letzten Beis aus der Fa-milie Gligoraki zum Bei von Maina ernannt wurde. Sein Vater, Ianaki M.,hatte an dem durch die Russen 1770 angestifteten Aufstande rühmlichst Antheilgenommen, war dann spater nach den Siegen Bonaparte's in Italien mitdiesem in Unterhandlungen getreten, deren Zweck eine abermalige Befreiung derMainoten von der Oberherrschaft der Pforte sein mochte, und hatte überhauptbei mehren Gelegenheiten eine seltene Tapferkeit und noch seltenere Rechtlichkeit !bewahrt.
PietroM., um 1765 geboren, wuchs unter Waffen und Abenteuern auf,und erhielt, nach der Sitte seines Stammes, blos von einigen unwissenden Geist-lichen karglichen Unterricht. Der größere Theil seines Lebens verfloß unter derAlltäglichkeit eines beschränkten Verkehrs mit den benachbarten Landschaften, undunter kleinlichen Fehden mit den Feinden seines Stammes in der Heimat, welcheweder ein allgemeines Interesse darbieten, noch für die Charakteristik Pietro's vonWichtigkeit sind. Als Bei von Maina suchte er fortwahrend mit der Pforte in gu-tem Einverständnisse zu bleiben, um der ihm anvertrauten Landschaft wenigstensdie einmal zugestandenen Freiheiten zu bewahren, und obgleich er früher oft dengeheimen Einflüsterungen der Engländer und Franzosen Gehör gegeben haben,wol auch um das Dasein der Hetairie und ihre Plane wissen mochte, so zögerte erdoch einige Zeit, gegen die Pforte die Waffen zu ergreifen, als sich zu Anfange 1821in Morea die ersten aufrührischen Bewegungen zeigten. Denn erst kurz vorherhatte er sowol für den Sultan ein Truppencorps geworben, welches der Kapitan-Bei gegen Ali Pascha von Janina an Bord nahm, als auch dem Pascha von Tri-polizza, zugleich mit den Söhnen einiger andern angesehenen Mainotenfamilien,einen seiner Söhne zum Unterpfand seiner Treue übergeben; ja, er suchte sogar dieGeistlichen seiner Provinz, welche von dem Pascha nach Tripolizza beschieden wur-den, zu bewegen, diesem Befehle zu folgen. Als jedoch der Ausstand eine ernstereWendung zu bekommen schien, trat er sogleich mit Kurschid Pascha in Unterhand-lungen, und verlangte zuvörderst, daß ihm zu seiner eignen Sicherheit, gegen dasVersprechen der Neutralität, die für Maina und Messenien gestellten Geißeln zu-rückgegeben würden. Da er aber hierauf blos die Antwort erhielt, jene Geißelnseien bereits in Fesseln geschlagen, so erklarte er sich offen für den Aufstand, riefganz Maina zu den Waffen, eilte mit einer entschlossenen Schar sogleich nach dem