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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
607
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vorhergehenden Anmerkungen. Nurmuß man diese Roth nicht zur Tu-gend machen wollen. Immer Zeichen,anstatt der Sache selbst gebrauchen,crwekt in die Lange Ekel, und machtErmüdung. Man würde abgeschmaktwerden, wenn man allezeit in Tro-pen rede» nwllte.

Braucht man die Tropen in derzwevlen Absicht, so hat man sich vor-nehmlich vor der Weichlichkeit undder Ucppigkcit in ihrem Gebrauch,die im Grunde eine blos kindischeZic-rcrcy ist, in Acht zu nehmen. Allesgeradezu zu sagen, ist ftcnlich oftgrob, oft anstoßig und manchmal be-leidigend: aber auch immer viel ver-blümt zu -seyn, alles zu schmüken,oder zu bcräuchern, ist vielleicht nochwidriger. Wenigstens können männ-liche, freye Seelen eher die erstere,als diese Ausschweifung vertragen.Es giebt Leute, die so übertriebenzärtlich sind, daß sie bald gar nichtsmehr mit seinem Namen nennen dür-fen, kleinmüthigc, kindische, allerNerven beraubte Seelen, die überalletwas finden, das ihnen Scheu macht,Sybaritcn des Gcschmaks. SolcheSeelen verrath ein ausschweifenderGebrauch schonender Tropen.

Auch in der dritten Absicht mußman sich vor der Unmäßigkeit hüten,welche hier allzugroße Heftigkeit ver-räth, so wie die vorhergehende zuviel Weichlichkeit anzeiget. So wieein Mensch, der nichts ohne Fechtenmit Händen und Füßen sagen kann,und die Erzählung der gleichgültig-sten Dinge mit den seltsamsten Ver-drehungen begleitet, abgeschmaktwird, so wird es auch der, welcherbeständig in verstärkenden Tropenspricht, und zum Theil auch der, wel-cher ohne überhäufte Menge dersel-ben sie übertreibt. Man muß hieröie besondere Absicht, in welcher manspricht, oder schreibt, genau vor Au-gen haben, und die Lage, nebst dem

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Charakter der Personen, für welcheman schreibt, damit man die alleinuntadclhafte Mittclsiraßc zu wählenim Stande fty.

Auch in der vicrten'Absicht kannder Gebrauch der Tropen gar sehrübertrieben werden. Dieses scheinetbesonders seit einigen Jahren inDeutschland aufzukommen, wo zubefürchten ist, daß man, wie ehedemin Griechenland und Rom, aufden ausschweifenden, sophistischenund rhetorischen Geschmak desSchönschreibens verfalle, ohne zu-vor, wie bei) jenen Völkern ge-schehen, jemals die schöne Einfaltder Natnr erreicht zu haben. Mankann von gewissen Gegenden Deutsch-lands bald keine deutsche Schriftvon Geschmak lesen, wo nicht dieTropen, die am sparsamsten alsfeine Würze sollten gebraucht wer.den, in der größten Verschwendungvorkommen. Insonderheit scheinetman sich in diejenigen verliebt zuhaben, die von den zeichnenden Kün-sten hergenommen werden. Manhört von nichts, als von der Gra-zie, dem Loncour, dem Loloric, demschönen Ideal u. d. gl.

Man muß also nicht nur überhauptim Gebrauch der Tropen sich zu »läs-sigen wissen, sondern auch m derWahl derselben alles Affectirte, alleUcppigkcit und asiatische Zärtlichkeitvermeiden. Die griechischen Gram-matiker haben mit einer übertriebenenGenauigkeit die Gattungen ocr Tro-pen ans einander gesetzt. Nur dievornehmsten Arten machen eine Listevon Namen, die dem guten GeschmakGefahr drohen. Wir überlassen je-dem Liebhaber, der hicvon Unterrichthaben will, die Mühe, sie bep jenenSchriftsielleen nachzusuchen. Wasvon bciondern Tropen uns anmer-kungswürdig geschienen, ist unterfolgenden Artikeln zu fiuden: Al-legorie, Metapher, Spott, -Hy.

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