Z u r
759
Zierrathe n.
(Schöne Künste.)
<Aind kleinere, mit dem Wesentli-chen eines Gegenstandes verbundeneT eile, die blos zu Vermehrung desReichlhums und der äußerlichenSchönheit dienen. Ein Werk, demes an Zierrathen fehlet, ist deswe-gen nicht unvollkommen, nicht feh-lerhaft, aber es kann zu nakend seyn.Also sind sie einigermaßen Anhang-fei, die man wegnehmen könnte, oh-ne das Werk fehlerhaft zu machen.Aber sie sind desto schatzbarer, je ge-nauer sie mit dem Wesentlichen ver-bunden sind, und das Ansehen we-sentlicher Thcilc haben. In den re-denden Künsten sind Figuren undTropen, die nicht zum bestimmterenoder kräftigen? Ausdruk, sondernblos zur Vermehrung der Annehm-lichkeit dienen, und in gleicher Ab-sicht eingeschaltete Gedanken undEpisoden, Zierrathcn! in der Mah-lerei), das, was man insgemeinNebensachen nennt; in der Musikdie Manieren; in der Baukunst allesSchnitzwcrk, und alles, was denwesentlichen Theilcn zu Vermehrungder Pracht, ober des Rcichthumsbengefügt ist/
Durch Anbringung der Zierrathcnwird ein Werk verzieret, und reich,oder prächtig, aber nicht eigentlichzierlich. Da wir über die Verzie-rungen bereits in einem besondernArtikel gesprochen haben, so begnü-gen wir uns hier denPcgriffderZicr-rathen bestimmt zu haben.
-Z?-
(*) Die, von diesem Artikel bändeln-den Schriftsteller sind bcy dem Art. Ver-zierungen angezeigt. Ich setze nochhinzu, daß in dem, bey dem Art. LNah-lerep cmgesschrtcn großen Mohlcrbuch desLaiccsse sich, meines BcdünkcnS, die be-sten Winke zu den Zierathcn, oder Bci)--ivcrkcn in GemWden, finden. S. den
Art. Nebenrverk S- 516. wo die dahingehörigen Kapitel angegeben sind. — —-
Zurükw eichen.
(Mahlercy.)
Es geschieht oft, daß in einem Ge-mähldc die entfernten Gegenständesich nicht hinlänglich entfernen, odernicht genug zurükweichcn, obgleichder Mahlcr in Zeichnung und Farbender entfernten Gegenstände alles ge-lhan zu haben glaubet, was die Re-geln hierüber crfodern/i Der Fehlerliegt insgemein in den Farben undin Licht und Schatten der nächstenGegenftandc, oder des Vorgrundcs,und dessen, was darauf sieht. Indiesem Falle muß das Zurükwcichender entfernten Gegenstände durch nä-here Bearbeitung der vorliegendenerhalten werden. Denn wenn manmachen kann, daß das Vodcre deinAuge näher zu kommen scheinet, sowird auch das Hintere blos dadurchxnrükrocielien. Dieses Hervortre-ten, oder Herannähern der vodcrstenGegenstande, wodurch das Zurük-weichen der Hinteren erhalten wird,muß durch drcyerlcy Mittel bewirktwerden; durch ausführlichere Zeich-nung, durch bestimmtere Farben unddurch stärkeres Licht und Schatten.Denn je naher uns ein Gegenstandist, je genauer unterscheiden wir jedeKleinigkeit in seiner Zeichnung, jelebhafter und bestimmter unterschei-den wir die Farbe jeder Stelle undjeden Wiedcrschcin, und eben so vielHeller scheint jedes Licht, und dunke-ler jeder Schatten.
Diese drcy Mittel muß der Mah-lcr versuchen, um das Zurükwci-chen der entfernten Gegenstände zuerhalten. Findet er aber, daß die ge-naueste Befolgung der Regeln inAbsicht auf diese Punkte die gesuchte
Bbb 4 Wür-
') S. Haltung.