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Wir wollen hier nur noch anführe»,daß selbst zum richtigen Sehen schoneinige Kenurnifi der Optik und Per-spectiv crfodert werde. Man glaubtinsgemein, daß das Sehen blos vonder Scharfe des Auges herkomme,folglich ein angcbornes Talent sey.Aber Philosophen, die die Sache na-her untersucht haben, versichern uns,daß man erst nach langer Uebuug soweit kommt, als nöthig ist, um sichder wahren Gestalt und Entfernungder Dinge mit einiger Klarheit be-wußt zu seyn, oder genau zu wissen,was man sieht. Das Gesicht istmancherley und wunderbaren Tau-schungen unterworfen, die zwar durchUebuug allmählig berichtiget, abernur durch Theorie völlig unschädlichwerden. Wir wollen nur eines ein-zigen besondern Falles erwähnen.Wenn wir einen Menschen mit aus-gestrekren Armen von der Seite, aberin der Nahe sehen, so daß eine Handmerklich entfernter vom Auge ist alsdie andere, so müssen sie nothwendigin sehr ungleicher Große ins Augefallen. Aber weil wir einmal wissen,daß natürlicherweise eine Hand sogroß ist, wie die andere, so finden wirsie auch ungeachtet ihrer verschiedenenEntfernung gleich groß. Der Mah-ler, der über perspcctivische Verjün-gungen nie gedacht hat, würde ge-wiß auf seiner Leinwand der eineneben die Große geben, wie der an-dern, und dadurch seine Zeichnungfür geübte und unterrichtete Augenunrichtig machen. Und so verhalt essich in mehr Dingen, in Ansehungdes richtigen Sehens. VerschiedeneKleinigkeiten entgehen der Aufmerk-samkeit des Sehenden ganz, wennihn nicht gewisse andere Kenntnissedarauf führen. Sehr geringe undzarte Erhöhungen und Vertiefungenim Umriß des Nakenden wird der,der eine gute Kcnutniß der Anatomiehat, und weiß, daß irgend ein Kno-chen , oder ein Muskel hier oder da
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eine kleine Erhöhung verursacht, auchbesonders bemerken; da sie einem an-dern entgehen werden.
Hieraus wird man begreifen, daßauch das beste Auge zum richtigenSehen nicht hinlänglich ist, son-dern daß viel Hebung, eine lange Be-kanntschaft mit den Gegenständen,und Keunmiß der Perspectiv undAnatomie, dazu nothwendig sind.
Die Fertigkeit der Hand scheinetblos eine Sache der langen klcbungzu seyn. Es ist erstaunlich zu sehe»,zu was für Fertigkeiten die Glied-maaßcn, besonders Arm und Hand,durch anhaltendes Ucben gelangenkönnen. Diesen Thei l der Kunst kannjeder lernen, dessen Fleiß anhaltendund hartnäkig genug ist.
Und hieraus kann ein angehenderZeichner sehen, was er zu thun hat,um zur Richtigkeit der Zeichnung zugelangen. Sie ist das Fundamentder Kunst; weil ohne sie der Ge-schmak, und das höchste Gefühl desSchönen, nicht vermögend sind, bcyder. Ausübung ihren Zwck zu errei-chen. Darum dringet Mengs dar-auf, baß Anfänger, mir Hintansetzungalles übrigen, sich der Richtigkeit be-fleißigen. Seine Lehre verdienet hierangeführt zu werden. „Ich ermah-ne," sagt dieser große Künstler, „dieAnfänger der Mahlercy, daß siesich nicht zu viel auf solche Subrili-täten, wie hierin geschrieben, ^.näm-lich über Geschmak und Schönheit,)verlegen; denn im Anfange taugensolche nicht. Die erste Bemühungeines Anfangers soll seyn, das Augezur Richtigkeit zu gewöhnen; so daßer dadurch fähig werde, alles nach-machen zu können. Zugleich soll ersich der Handübung befleißigen, da-mit die Hand gehorsam sey, zu thun,was er will, und nach diesem erstdie Regeln und das Wissen der Kunsterlernen
Aber
In der Vorrede zu den Gedanken
über