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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
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Die allgemeine Benennung derKünste, von denen hier die Rede ist,zeiget an, daß die Zeichnung dasFundament derselben ist, und daß sieihren eigentlichen Werth daher haben:deswegen haben wir diese besonderszu betrachten.

Zeich n u n g.

(Zeichnende Künste.)

Aaß die Zeichnung bei) den bilden-den Künsten die Hauptsache sey, istzu offenbar, als daß es eines Be-weises bedürfte; nur in Ansehung derMahlerey sind deswegen Zweifelentstanden, weil es einigen geschie-nen hat, daß das Colorit eben sowichtig, als die Zeichnung sey. Esist nicht sclren, daß Gcmählde, darindie Zeichnung unter dem Mittelmäs-sigen ist, wegen der Vortresslichkeitdes Colorits unter die ersten Werkeder zeichnenden Künste gesetzt worden.Wenn man die Sache genau beur-theilcn will, muß man nur beden-ken, ob durch Zeichnung, oder durchColorit das meiste ausgerichtet werde.Daß in der Form der Körpc» über-haupt mehr Kraft liege als in ihrerFarbe, ist wol keinem Zweifel unter-worfen. Die Form hangt aber größ-tenrhcils von der Zeichnung ab. Aberin den Gemähldcn scheinet eben dieseKraft der Form ihren Nachdruk vomColorit zu bekommen. Die vollkom-mene Täuschung, der zufolge manim Gemahldc nicht einen blos abge-bildeten, sondern vorhandenen Ge-genstand zu sehen glaubt, erhöhetund vollendet die Kraft der Formen.Wer wird sagen können, daß einblos gezeichnetes Portrait bey derhöchsten Vollkommenheit der Zeich-nung so viel Eindruk auf ihn mache,als wenn zu dieser Zeichnung dievöllige Wahrheit der Farben, unddie daher entspringende Haltung unddas Leben noch hinzukömmt? Mankam, das Colorit mit der Schönheit

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des Ausdruks, die Zeichnung abermit dem Sinn, oder dein unkendenGedanken vergleichen. Der richtig-ste und wichtigste Gedanken thut erstalsdann seine volle Würkung, wenner in einem vollkommenen Ausdrukerscheint. Es gicbt Gemählde, diebey einer sehr mangelhaft.!, Zeich-nung, blos wegen der ungemeinenWahrheit, die das Colorit ihnengiebt, nicht die Bewunderung derKunst, (denn davon ist hier nicht dieRede,) sondern den lebhaftesten Cin-druk des Gegenstandes selbst bewür-fen. Doch davon haben wir bereitsanderswo gesprochen *). Wir wol-len hier nur so viel anmerken, daßdem -Wähler Zeichnung und Colorit,eines so wichtig wie das andere seynmuffe, und daß er bey merklichemMangel sowol des einen, als desandern, kein vollkommener Mahlerseyn könne. Wie der Redner mit denvortrefflichsten Gedanken, die er elendvortragt, nichts ausrichtet; und wieder beredteste Mensch durch den höch-sten Glanz des Ausdruks das Gedan-kenlose der Rede nicht würde verber-gen können: so verhält ee sich auchmir dein Mahler, den, es an Coloritoder au Zeichnung fehlte.

Zur Vollkommenheit der Zeichnunggehören Richtigkeit und Gcschmak.Da die Zeichnung nichts anders ist,als eine Bezeichnung sichtbarer Ge-genstände, so ist sie um so viel voll-kommener, je genauer und richtigerdiese Bezeichnung geschieht. Diehöchste Richtigkeit bestünde darin,daß schlechterdings jede zur Form desGegenstandes gehörige Kleinigkeitgerade so, wie sie ins Auge fällt, ge-zeichnet würde. Diese vollkommeneRichtigkeit hängt theils vom scharfenund richtigen Sehen, rheils von derFertigkeit der Hand ab. Von jenemhaben wir besonders gesprochen 'H.

Wir

^) S. Colorit.

S.Augeinnailß.