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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
745
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nicht im Einste gcmcynt sind. Eskostet der Einbildungskraft nichts,dergleichen außerordentliche Dingezu erfinden, die gar keine Beziehungoder Verbindung mit der wörtlichenWelt haben. Aber höchst anßeror-i deiuliche Nachrichten, oder Dichtun-gen, die noch Realität oder Wahr-heit zum Grund haben, die sich mitder wörtlichen Natur vertragen,aber unste Erwartungen sehr weitübertreffen, die bey allem Außeror-dentlichen, das sie haben, möglichund einigermaaßen wahrscheinlichsind, setzen uns in Bewunderung.Wunderbar wäre für Unwissende einewahrhafte Beschreibung der uner-meßlichen Große und höchst ordent-lichen Einrichtung des Wcltgebäu-dcs, die den großen Begriffen gemäßwäre, die die Astronomen davonhaben. Wunderbar, wicwol aus na-türlichen und vorhandenen Ursachenbegreiflich, ist die Sündfluth, wiesie in der Noachide beschrieben ist.Wunderbar wäre auch für die Ein-wohner eines ebenen und anmurhi-gcn Landes, die wahrhafte Schilde-rung der Lander, die aus aufgechürm-ten Alpen bestehen.

Ebendarum, weil das achteWun-derbare, so außerordentlich es ist,sich noch mit unfern Begriffen ver-tragen , und noch Wahrscheinlichkeitbehalten muß, ist es schwer zu errei-chen, obgleich jede wilde Phantasiean außerordentlichen Vorstellungenreich ist. Die Einbildungskraft al-lein ist zur Erfindung des Wunder-baren nicht hinreichend; sie muß vonKenntniß der wörtlichen, körperlichenund sittlichen Welt, und von guterUrtheilskraft unterstützt werden, sonstwerden ihre außerordentlichen Vor,stellungcn schimärisch, ausschweifendund abgeschmakt. Wie ausgebrei-teter.die Kenntniß ist, die der Dich-ter von der wörtlichen Natur hat,so viel leichter wird ihm, wenn esihm sonst nicht an Erfindung und

Dichtungskraft fehlet, die Schöpfungdes Wunderbaren. Wenn er schonmehr als die, für die er arbeitet^weiß; wenn cr tiefer als sie in diekörperliche und geistige Welt hinein-schaut: so giebt ihm dieses Gelegen-heit, seine Vorstellungen noch mehrzu erhöhen, und sie bis ins Wunder,bare zu treiben. Hätte Klovstok sowenig von der unermeßlichen Größedes Wcltgcbäudes gewußt, als Ho-mer, und hatte er von der Gottheitso eingeschränkte Begriffe gehabt, wieder griechische Barde, so wurde eingroßer Theil des Wunderbaren inseinein Meßias weggeblieben seyn.Der Dichter, dessen Kenntnisse schonweiter reichen, als die allgemeinenKenntnisse seiner Zeit, der eben da-durch Gelegenheit gehabt hat, diehöhere Wollust des Geistes, dieBcwundrung zu fühlen, wird da.durch angereizt und auch in Standgesetzt, andre durch das Wunderbarezn röhren.

Wir finden deswegen das Wun.derbare weit seltener in Oßians Ge-dichten, als in den andern uns be-kannten Epopöen; denn der Bardelebte unter einem durchaus unwissen-den Volke, und seine Kenntnisse er-streiten sich eben nicht merklich weiter,als die allgemeinen Kenntnisse seinerZeit giengen. Er fand in dem, wascr mehr wissen mochte, als dasVolk,unter dem er lebte, wenig Veranlas-sung, seine Vorstellungen bis insWimderbare zu treiben. Aber Ho-mer scheint ungleich mehr Kenntnisseder körperlichen und sittlichen Weltgehabt zu haben, als die, für die crseine Gestänge dichtete. Er scheinetviel fremde in seinem Lande noch ver-borgene Kenntnisse gehabt zu haben.Eben deswegen fiel er darauf, siedurch eine Menge außerordentlicherDinge, deren Erfindung ihm feineKenntniß erleichterte, seine ZuhörermBewnndrung zu setzen. Es erhel-let hieraus, daß die blos körperlicheAaa 5 Natur