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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
743
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W ö r

Wörter.

(Redende Künste.)W>>' betrachten hier die Worter nichtin ihrer -ganzen Beschaffenheit undBedeutung, als die Elemente derSprache, sondern blos nach der be-sonder» ästhetischen Kraft, die in ei-nigen derselben liegt. Der Sprach-lehrer zeiget, wie die Worter ge-wählt, zusammengesetzt, und wiedas Veränderliche darin müsse be-stimmt werden, um für jeden Falldas anszndrükcn, was man zu sagenhat. Von diesem allgemeinen Ge-brauch der Worter ist hier die Redenicht; sondern blos von dem, wasRedner oder Dichter in gewissen Fal-len, in Absicht des ästhetischen Ge-brauchs besonderer Worter zu überle-gen haben. Redner und Dichtermüssen sich so verstandlich und so rich-tig ausdrüken, als es zum gemeinenGebrauchnothig isi; also kommt hiereigentlich nicht die Wahl der Worter,in Absicht auf Verständlichkeit undRichtigkeit, sondern in Rükstcht aufdie ästhetischen Eigenschaften in Be-trachtung.

In den redenden Künsten werdendie Worter in Rükstcht auf den Klangund auf das Acsthetische der Bedeu-tung beurtheilet. Von dem Klangist bereits gesprochen worden; *) alsoist noch das Aesthctischc der Bedeu-tung zu betrachten. Was wir dar-unter verstehen, ist bereits anderswohinlänglich gezeiget worden.**) DieRedner und noch mehr die Dichtermüssen sich ein besonderes Studiumaus der Erwägung der ästhetischenEigenschaften der Worter machen.Denn erst alsdann ist der Ausdrnkvollkommen, wenn die Worter denCharakter haben, der mit dem In-halt übereinstimmt; wenn sie edel,hoch, comisch, pathetisch, angenehm,nachdrücklich und überhaupt genau in

*) S. Klang und Wolklang.S. Auüdruk l

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dem Ton und Charakter der Materiesind, zu deren Ausdruk sie gebrauchtwerden. Em hohes Wort zum Aus-druk eines gemeinen Gedankens, wirdlächerlich, und ein niedriges Wortzu Bezeichnung eines hohen oder edel»Begriffs, ist anstoßig.

Die genaue Kcnntniß der ästheti-scheu Eigenschaft eines Wortes crfo-dert nicht nur eine sehr genaue Be-kanntschaft mit der Sprache, sondernauch Kenntniß der Welt, oder derverschiedenen Stande der Menschen,und einen sehr feinen Ecschmak; dennoft hangen sie von kaum merklichenKleinigkeiten ab.

Die Beredsamkeit folget in derWahl der Wörter nicht eben densel-ben Maximen, nach denen die Dicht-kunst sie wählet. Zwar vermeidenbeyde alles gemeine, niedrige, durchden gemeinsten Gebrauch abgenutzte;alles was unangenehme oder widri-ge Ncbenbcgriffe crwekt. Die Be-redsamkeit aber begnüget sich, auSden bekanntesten Wortern die edel-sten und besten auszusnchen. DieDichtkunst hingegen liebt das frem-de, ungewöhnliche, das ihrem Aus-druk etwas außerordentliches giebt.Da Ton und Sprache des Dicbftcrsschon an sich etwas außerordentli-ches und enthusiastisches haben, soschiken sich auch dergleichen Wörterfür die poetische Sprache. Schondie Griechen haben uns Beyspicledieser bcsondern Wahl poetischerWörter gegeben. Wir haben aberschon anderswo von der Nothwen«digkcit, und von der nähern Be-schaffenheit der, der Dichtkunst ei-genen Sprache unsere Mcynung ge-äußert.*)

Nicht nur in Wörtern, wodurchman Hauptbcgriffe ausdrükt, odereinzele merkwürdige Dinge bezeich-net, sucht.die Dichtkunst etwas ei-genes zu behaupten, sondern auch

Aaa 4 in

*) S. Press; poetische Sprache.