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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
738
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7Z8 Witz

finderisch bey jeder Vorstellung, ausdem ganzen Vorrath der in der Ein?bildungskraft liegenden Begriffe al-les herben zu rufen, was zur Bele-bung der Hanptvsrstellnng dienet.Daher kommen die vielen Bilder, diemannichfaltigen Verglcichnngcn, dieNebenbegriffe und seltenen Einfällein den Reden des witzigen Kopfes.

Es erhellet hieraus, daß der Witzeint der Grundlagen des zur Kunstnothigen Genies sey. Denn da dielebhafte Rührung der Einbildungs-kraft eine der »othwendigsten Wür-kungen der Werke des Geschmaks ist,der Witz aber gerade dahin zielt, soist er eines der Hauptwittel, einemGegenstand, der an sich nicht Reizunggenug hatte, ästhetische Kraft zu ge-ben. Eine an sich unbedeutende Be-gebenheit, von einem witzigen Kopf«rzahlr, kann sehr unterhaltend wer-den. Der gemeinste Gedanken, dieSchilderung des unerheblichsten Ge-genstandes , gewinnt durch den Ein-stich des Witzes einen Reiz, der ihnfür Menschen von Geschmak höchstangenehm macht.

Wenn er aber in Werken des Ge-schmaks diesen Dienst leisten soll, somuß er mit Scharfsinn verbundenund von Verstand und guter Beur-theilung geleitet werden. OhneScharfsinn wird er leicht falsch, aus-schweifend, und sogar abgcschmakt;und wenn ihn nicht eine richtigeBcurtheilung begleitet, so wird erunzeitig abentheucrlich, übertriebenund schädlich.

Man muß überhaupt die Muste-rungen des Witzes als ein Gewürzansehen, und gerade den Gebrauchdavon machen, der bey Zurichtungeiner Mahlzeit von diesem gemachtwird. Ganz von Gewürze wird keinGericht gemacht; doch etwa ein klei-nes Schalchcn mehr zur Wollust alszur Nahrung hingesetzt. Aber jedezur Nahrung bestimmte Speise wirddamit etwas erhöhet; fey denn,

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daß sie schon an sich hinlänglichenReiz für den Geschmak habe. Gc.rade so verhalt es sich mit demWitze. Vlos witzig können kleinere,zur Ergötzung und zum Scherz ge-machte Werke der Kunst scyn: aberin großem Werken, die schon einehöhere Bcstiinnmng haben, muß erniemals herrschend seyn, sondernblos der schon an sich wichtigen Ma-terie einen etwas erhöhcren Geschmakgeben.

Zu viel Witz, auch da, wo seinmäßiger Gebrauch nöthig ist, ermü-det, unterdrükt die den Geist und dasHerz nährenden Kräfte, die schon indem Stoff liegen, und macht, daßdas, was nützlich seyn sollte, blosangenehm wird. Ist er einmal imReiche des Geschmaks herrschend ge-worden, so thut er eben die verderb-liche Würrnng, die der unmäßigeGebranch des Gewürzes in der Le-bensart der Wollüstlinge thut, die al-len Geschmak an nahrhaften und ge-sunden Speisen verlieren, und des-wegen in cineWeichlichkeitversinken,in der alle Starke des Körpers ver-loren geht. Verschwendung des Wi-tzes zeiget allemal den Verfall des Ge-schmaks; und ein Volk, das m denWerken des Geschmaks sich vorzüg-lich nach Witz umsieht, ist schon soverdorben, daß die schönen Künstedie heilsamste Würkung, die man vonihnen zu erwarren hat, an ihm nichtmehr thun können. Die gründlich-ste Rede, darin ein solches Volk zuernstlicher Ueberlegung dessen, waszu seinem wahren Interesse dienet, er-mahnet würde, thäte weniger Wür-kung, als ein witziger Einfall. Weitmehr richten die schönen Künste beyeinem Volk aus, dessen Geschmaknoch rauh und ungcläutert ist, alsbey dem, dessen Geschmak durch über-triebenen Gebrauch des Witzes dieSchwächung der Weichlichkeit erfah-ren hat. Darum sollten Kunstrich-ter, denen die Ausbreitung des wah-ren