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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
729
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sie Gut ist: der rührende gefällt amdurchgangigsten, und scheinet in derBehandlung der leichteste.

Wer ein Werk des Geschmaks inAbsicht auf seinen Stoff bcurtheilcnwill, darf nur, nachdem er es mit

hinlänglicher Aufmerksamkeit betrach-

>tet hat, auf den Gcmüthszustand Achthaben, in den es ihn versetzet hat.Fühlt er sich von irgend etwas, dasvollkommen, oder schon, oder gutist, stärker gereizt als vorher; cm,pfiiidet er einen neuen, ungewöhn-lichen Schwung etwas gutes zu su-chen , oder sich etwas Bösem zu wi-dersetzen; hat er irgend einen wichti-gen Begriff, irgend eine große, edle,erhabene Vorstellung, die er vorhernicht gehabt; oder fühlet er die Krafteiner solchen Vorstellung lebhafterals vorher: so kann er versichertseyn, daß das Werk in Ansehung desStoffs lobenswerth ist.

2. Nach dein Ctoff kommt dieDarstellung desselben in Betrachtung,wodurch das Werk eigentlich zumWerke des Geschmaks wird. Siecrfodert eine Behandlung des Stoffs»wodurch er sich der Vorstellungskraftlebhaft einpräget, und in dauerhaf-tem Andenken bleibt. Beydes setzetvoraus, daß das Werk die Aufmerk-samkeit stark reizen, und durchausunterhalten müsse. Denn die Leb-haftigkeit des Emdruks, den cin Ge.genstand auf uns macht, ist insge.mein dem Grade der Aufmerksamkeit,mit dem er gefaßt wird, angemessen.Das Werk muß demnach sowol imGanzen, als in einzelenTheilcn unsmit unwiderstehlicher Macht gleich-sam zwingen, uns seinen Emdrükcuzu überlassen. Darum muß wederim Ganzen, noch in den einzele»Thei.'en nicht nur nichts anstoßiges,oder widriges seyn; sondern allesmuß Ordnung, Richtigkeit, Klar-heit, Lebhaftigkeit und kurz jede Ei-genschaft haben, wodurch die Vor-stellungskraft vorzüglich gereizt wird.

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Es muß ein einfaches leicht zu fastsendcs unzertrennliches und vollstän-diges Ganzes ansmachcn, dessenThcile natürlichen Zusammenhangund vollkommene Harmonie haben.Man muß bald sehen, oder merken,was es seyn soll; weil die Ungewiß-heit über diesen Punkt der Aufmerk-samkeit gefährlich wird. Je bestimm-ter man den Hauptinhalt ins Augefaßt, und je ununterbrochener dieAufmerksamkeit vom Anfang biszum Ende unterhakten wird, je voll-kommener ist das Wert in Absichtauf die Darstellung.

Dieses sind allgemcincFvderungen,die aus der Natur der Sache selbstfließen, und gar nichts willkürlicheshaben. Für welches Volk, für wcl-ches Wclcalter, ein Werk gemachtfty, muß es doch die erwähnten Ei-genschaften haben. Allster dem mußauch die Kritik nichts fodcrn, unddem Künstler weder in Ansehung derForm, noch in Rüksicht auf das be-sondere der Behandlung, Gesetze vor-schreiben. Tsitlt er jenen Federun-gen genug, so hat ihm über die be-sondere Art, wie er es thut, Nie-mand etwas vorzuschreiben. JedesVolk und jedes Zeitalter hat seineModen und seinen besondcrn Ee-schniak in dein Zufälligen; und derKünstler thut wol, wenn er ihm fol-get. Aber dieses Zufällige läßt sichnicht durch Regeln festsetzen. Wieman von einem Kleide als nothwen-dige Eigenschaften fodcrn kann, daßes die Zheile^ die einer Bcdekungbedürfen, bcdekc, daß es commodesey, und gut sitze, übrigens aber kei-ne Art der Kleidung, die dieseEigcn-schasten hat, verwerflich ist, sie seyfranzosisch, englisch oder polnisch:so muß mau es auch mit den Wer-ken des Geschmaks halten. Ein Ge-mählde kann in seiner Art vollkom-men seyn, ob es in Wasserfarben odermitOelfarben gemahlt sey; und eineOde kann eine hebräische oder gric-Zj 5 ch^e