Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
727
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Wer

Das Dissoniren der Wechselnotenwird bey der Bezifferung nicht ange-deutet, und sie werden in dem be-gleitenden Generalbaß nicht mitge-spielt. Ueber den Gebrauch dcrWcch-ftlnoten, und die dabey zu beob-achtende Vorsichtigkeit empfehlen wirden Anfangern das 14 und 15 Ca-pitel in Murschhaufcrs hohen Schu-le der Composition nachzulesen, dawir kein Buch kennen, darin das,was von richtiger Behandlung derDissonanzen zu beobachten ist, besserals in dieftm angezciget und ausge-führt würde.

Werke des Geschmaks;Werke der Kunst.

Nus den von uns angenommenenBegriffen über das Wesen und dieBestimmung der schonen Künste mußauch der Begriff eines vollkommenenWerks der Kunst hergeleitet werden.Ein Werk also, das den Namen ei-nes Werks der schonen Kunst behaup-ten soll, muß uns einen Gegenstand,der seiner Natur nach einen vortheil-haften Einfluß auf unsre Vorstel-lungskraft, oder auf unsre Neigun-gen hat, so darstellen, daß er einenlebhaften Eindruk auf uns mache.Demnach gehören zu einem Werkedes Geschmaks zwei) Dinge: eineMaterie, oder ein Stoffvon gewissemümern Werth, und eine lebhafteDarstellung desselben. Der Stoffselbst liegt außer der Kunst; seineDarstellung aber ist ihre Würkung:jener ist die Seele des Werks; diesemacht ihren Körper aus. Nicht dieErfindung, sondern die Darstellungdes Stoffs, ist das eigentliche Werkder Kunst. Durch die Wahl desStoffs zeiget sich der Künstler als ei-nen verständigen und rechtschaffenenMann, durch seine Darstellung alseinen Künstler. Bey Beurtheilungeines Werks der Kunst müssen wiralso zuerst auf den Stoff, und he»

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nach auf seine Darstellung sehen.Dieser Artikel hat die Festsetzung derallgemeinen Grundsätzej nach wel-chen ein Werk in Ansehung dieser Hey-den Punkte zu beurthcilen ist, zurAbsicht.

i. Hier ist also zuerst die Hrage,wie der Stoff, den der Künstler zubearbeiten sich vornimmt, müsse be-schaffen seyn. Nach unfern Grund-sätzen muß er einen vorthcilhaftcnEinfluß auf die Vorstellungskraft,oder aufdie Neigungen haben. Die-ses kann nicht anders geschehen, alswenn er unser Wolgefallen an Voll-kommcnheit, Schönheit und Gutebefördert, oder nährt und unterhalt.Hat der Stoff schon in seiner Natur,ehe die Kunst ihn bearbeitet, dieseKraft, so hat er die Wahrheit, oderRealität, die bey jedem Werke derKunst muß zum Grund gelegt wer.den.*) Wählt der Künstler einenGegenstand, der keine von diesenKräften hat; stellt er das nicht Voll-kommene, nicht Schöne, nicht Gute,als vollkommen, schön und gut vor:so ist er ein Sophist; sein Werk wirdein Hirngespinst; ein Körper vonNebel, der nur die äußere Formeines wahrhaften Werks von Ge-schmak hat. Anstatt unsre Neigungzum Vollkommenen, Schönen undGuten zu nähren und zu bestärken,zielet es darauf ab, uns leichtsinnigzu machen, und uns-dahin zubrin-gen, daß wir uns an dem Scheinbegnügen. Wie die alten Philoso-phen aus der Schule der Lrisiikevdurch ihre subtilen Vernunftschlüsse,ihre Schüler, nicht zu gründlichenForschern der Wahrheit, sondern znZankern machten: so macht ein sol-cher Künstler die Liebhaber, für dieerarbeitet, zu eingebildeten windigenVirtuosen, dienie aufdasJnncre derSachen sehen, wenn nur das Acus-sere da ist.3; 4 Es

S. Wahrheit,