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bestimmt denkt, und drukt doch et-was anders aus. Ich erinnere mich,daß einem sonst ganz verstandigenManne, bey einer im Frühjahre langanhaltenden Dürre die Worte entfuh-ren : Xvenn uns doch Oer Himmelbald mit einem rvarmen, rrokenenRegen erfrecwn wollee! Cr dachteetwas Würkliches und Wahres; sag-te aber etwas Unmögliches und Un-gereimtes. Dieses kann auch jedemKünstler in der Warme der Empfin-dung begegnen. Darum ist es nichtgenug, daß unsre Gedanken oder Vor-stellungen der Wahrheit gemäß seyen;wir muffen auch versichert seyn, daßwir gerade das ausgcdrükt haben,was wir dachten. Und der Künstlerhat sorgfältig zu untersuchen, ob auchandre bey Betrachtung seines Werksdas denken, oder empfinden werden,was er dabey gedacht und empfun-den hat.
z. Der Künstler drükt nie allesaus, was er sich bey der Sache vor-stellt. Geschichet es, daß er etwaswesentliches, oder etwas, wodurchdie ganze Vorstellung begreiflich wird,wegläßt, so hat er etwas wahres ge-dacht, und stellt uns etwas, daswir nicht annehmen, nicht für wahrhalten können, vor. Oft wird eineganze Handlung durch einen einzigenkleinen Umstand wahrscheinlich; wirddieser ans Versehen weggelassen, soverwerfen wir die ganze Erzählungdavon, als etwas falsches. Dar-um muß der Künstler sorgfältig un-tersuchen, ob er anch von allem, waser bey Schilderung der Sache gedachthat, nichts Wesentliches weggelassenhabe. Was wir leichte von selbstzur Wahrscheinlichkeit hinzudenkenkönnen, kann er ohne Bedenken weg-lassen; aber wo ein nicht zu errathcn-der Umstand zur Glaubwürdigkeitder Sache nothwendig ist, da mußer ausdrükltch angeführt werde».Ein in den Sitten und in der Staats-verfassung der Römer unerfahrncr
Wah
Leser des Livius, oder Tacitus, wirdmanche wahrhafte Erzählung dieserGcschichtschreibcr als unglaublichverwerfen. Diese Männer schriebenfür Leser, denen das, was zur Glaub-würdigkeit solcher Erzählungen notb-wendig ist, völlig bekannt war; dar-um hatten sie nicht nöthig, dieserDinge zu erwähnen.
Dinge, die an sich, wenn manZeit und Orr und andre Ncbenum-stände nicht in Betrachtung ziehet,Unglaublich sind, werden ganz be-greiflich, wenn man jene zufälligeDinge dabey vor Augen hat. Nurgeht es nicht allemal an, dieserDinge da, wo sie zur Glaubwürdig-keit uothwendig sind, zu erwähnen;und in diesem Falle müssen sie vorheran einem schiklichen Orte ausdrüklichangeführt, oder doch durch Winkeangedeutet werden. Ist etwas aus-serordentliches, das ein Mensch thut,aus den Umständen der Sache selbstunbegreiflich, so kann der Grund inetwas, das vorhergegangen ist, oderin dem ganz besondcrn und seltenenCharakter der Person liegen. Znsolchen Fallen muß man vorher, eheder Sache erwähnt wird, auf eineschikliche Weise das, was zur Be-greiflichkeit der Sache dienet, irgend-wo einmischen, und so die Glaub-würdigkeit der Sache vorbereiten.In einem Trauerspiel retten sich zweyPersonen durch Schwimmen aus ei-nem Schiffbruch, die eine fragt dieandere, ob sie auch ihre Schätze ge-rettet habe: ja! antwortet sie, o«sie nur in ^urveelen bestehen, sohabe ich sie in Scn Düsen gesteckt.Durch Erwähnung der Inweelenwollte der Dichter die Rettung desSchatzes begreiflich machen. Aberer hätte dieses Umstandcs eher, aneinem schiklichernOrte und überhauptans eine natürliche Weise erwähnensollen. Denn so, wie er es hier thut,ist die Sache völlig unnatürlich.
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