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4 (1794) [R - Z]
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Händen, oder geschehen ist, zu unter-richten; sondern die Vorstellungs-kraft, oder die Empfindung lebhaftzu rühren. Ist das, was er uns vor-stellt, nur gedenkbar, nur möglich, sokann er unbekümmert seyn, ob es auchin der Natur irgendwo vorhandensey. Ein paar Beispiele werden hin-länglich seyn, uns eines mühsamenBeweises, daß in den Künsten dasMögliche die Stelle des Wörtlichenvertreten könne, zu überheben. Derunmittelbare Zwek des Künstlers istallemal, entweder die Vorstellungs-kraft, oder die Empfindung lebhaft zurühren. Hiezu ist das Mögliche ebenso schiklich, als das Würkliche. Klop-stok will uns einen sehr lebhaften De-'griff von der Gcmnthslage geben, inder sich Raiphan nach einem satani-schen Traume befindet, und bedienetsich dazu des Gleichnisses eines in derFcldschlacht sterbenden Goueslaug-uers:

Wie tief in der Fcldschlacht

Sterbend ein GoäteSläugncr sich wälzt;

u, s. f. ')

Hier ist es völlig gleichgültig, ob je-mals ein solcher Fall wörtlich vorge-kommen sey, oder nicht; genug, daßdas Bild gedenkbar und paffend ist.Ware nie ein Atheist in der Welt ge-wesen , oder wäre nie einer in diesenUmstanden umgekommen, so dienetdennoch das Bild, da wir es uns leb-haft vorstellen können, um das Gc-genbild mit großer Lebhaftigkeit dar-in zu erblikcn. Zum Zwek des Dich-ters war Möglichkeit und Würklich-keit völlig eincrley. Eben so verhaltes sich, wenn Empfindungen zu cr-wckcn sind. Ob ein solcher Mann,wie Homer den Ulysses schildert, inder Welt vorhanden sey, oder nicht:genug, daß wir uns ihn vorstellenkönnen; die bloße Vorstellung ist hin-länglich, unsre Bewundrung zu cr-wekcn. "*) Also können durch das blos") Meßias IV Ges.

S. -Täuschung.

Wah

Mögliche Vorstellungskraft und Em-pfindung eben so lebhaft, als durchdasWürkliche gerührt werden. DasErdichtete ist so gar oft weit sebik-licher, als das Wörtliche; denn oftist dieses wegen Mangel einiger Um-stände, die darin verborgen bleiben,nicht gcdenkbar. Es geschehen bis-weilen Dinge, die unmöglich scheinen,da man seinen eigenen Augen nichttraut, wo eine Würkung ohne Ursachescheinet. Dergleichen Dinge, wennsie auch noch so gewiß wären, nimmtdie Vorstellungskraft ungern an.Darauf gründet sich die Vorschriftdes Aristoteles, daß der Künstler oftdas erdichtete Wahrscheinliche demwörtlich Wahren, aber Unwahrschein-lichen vorziehen soll.

Der Künstler hat demnach, ohnedie mühsamen Untersuchungen, dieder Philosoph und der Geschichtschrei-ber nvthwcndig vomehmcn müffn,wenn sie die Wahrheit finden wollen,nöthig zu haben, nur diese einfacheRegel zu beobachten: daß alles, waser vorstellt, in der Art, wie er es vor-stellt, wörtlich gcdenkbar sey. Er darfnur darauf Acht haben, daß in denDingen, die er als vorhanden vor,stellt, nichts widersprechendes, und indem, was er als geschehen beschreibt,nichts ungegründctes vorkomme. Esist aber nicht genug, daß die Sachenihm selbst gcdenkbar seyn, sie müssenes auch für die seyn, für die er arbei-tet. Deswegen muß in der Darstel-lung der Sachen keine wesentlicheLüke bleiben. Man kann eine wörtlichvorhandene, oder eine geschehene Sa-che, die man selbst gesehen Hat, folg-lich nicht nur als möglich, sondernauch als würklich begreift, so bösehrci-bc», daß es andern unmöglich fällt,sie sich vorzustellen. Dieses geschieht,wenn man aus Unachtsamkeit in derBeschreibung oder Erzählung einigewesentliche Dinge weglaßt, die mandoch dabey gedacht hat; oder wenndie Worte und andere Zeichen, deren

man