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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
721
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in seinem Versuch voin Menschenkein geringerer Dichter, als Hemerin seinen mit Recht bewundertenSchilderungen der Menschen und derSitten. Man muß bedenken, wasfür erstaunliche Schwierigkeit es hat,Wahrheiten von der Art, wie die tie-fen philosophischen Spcculatjonenüber die sittliche Beschaffenheit derWelt sind, sich einfach, hell undhöchst faßlich vorzustellen. Wir tref-fen oft bey Pope, Hallcr, Iuvenal,Horaz und andern Dichtern kurzeDenksprüche, Lehren und Bilder an,die uns eine Menge Gedanken, diewir lange sehr unbestimmt, verwor-ren, dunkel und schwankend gefaßthatten, in einem überaus hellen Lichtund in der höchsten Einfalt darstel-len , und die wir für bewundruugs-würd-ge Schilderungen der Wahr-heit halten muffen. Daß sie als ästhe-tische Gegenstände weniger geschätztwerden, als poetische Schilderungensichtbarer Gegenstande, kommt blosdaher, daß weniger Menschen imStande sind, ihre Wahrheit einzuse-hen, als die Wahrheit dieser andernSchilderungen bekannterer Gegen-stände.

Von der Wahrheit, in Beziehungauf Sie schonen Rünfte überhaupt,handeln, unter mchrern: I. Riedel(Im,-reu Abschn. s. Theorie decsch.Kfie.von Wahrheit, Wahrscheinlichkeit undErdichtung.) I. C. Ä>onig (Im;tcn Abschn. S. 019. s. Philosophie dersch. Künste von der ästhetischen Wahr-heit) Von der dichterischen

Wahrheit: Vinc. Gravitia (Im >rcnAbschn. de» ersten Buches s. ltog. pver.äel ver» e sei talw, sei resle e gellinro.) A. Muratori (Im-Jen, ntcn u. iscen Kap. des ersten Bu-ches, und im 4ten Kap. des oten Buchess. llertecrs pnefio.) -» Racine(Im 6tcn Kap. s. lietlex. tur Is poetie,S.-5Q. AuSg. v. 1747.) Im sten

Vierter Theil.

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Bande der Iris findet sich ein Aussatzüber die poetische Wahrheit. lLd.Tarham (In s. Llisre. ans Lcole okVrurb, l.vuä. 179». 8. » Bde. handeltein Abschn. von der poct. Wahrheit.)

Bon der Wahrheit in der Mahle-rey: de Piles ((In seinem tchui-5 äs?sinr. S. oz. Amst. 1767. Ii. äu Vr-icisns 1s ?cinnire.) C. Jun-ker (In seinen Grundsätzen der Mahle,rev, S.u;.) --

Wahrscheinlichkeit.

(Schöne Künste.)

Aas Wahre ist für die Vorstellungs-kraft, was das Gute für die Begeh-rungskraft ist. Wie wir nichts be-gehren können, als in sofern wir esfür gut halten, so können wir auchin die Masse unsrer Vorstellungennichts aufnehmen, als was wahrscheinet. Darum ist Wahrscheinlich-keit in dem, was die Werke der Kunstuns vorstellen, eine wesentliche Ei-genschaft. Es ist nicht genug, daßdas, was der Künstler uns sagt, odervorstellt, wahr, oder in der Naturvorhanden sey; wir müssen es auchfür etwas würkliches, oder mögliches;oder glaubwürdiges halten; dennsonst wenden wir gleich die Aufmerk-samkeit davon ab, als von einem Ge-genstand, den wir weder fassen, nochfür würklich halten können.

Deswegen soll die erste Sorge desKünstlers darauf gerichtet seyn, daßder Gegenstand, den er uns vorzcich-net, wahrscheinlich sey, daß wir ihnfür etwas gedenkbarcs, oder würkli-ches halten. Diese Wahrscheinlich-keit ist im Grunde nichts anders, alsdie Möglichkcir, oder Gedenkbarkeitder Sache. Es kann dem Künstlergleichgültig seyn, ob der Gegenstand,den er schildert, in der Narur würk-lich vorhanden sey, oder nicht; obdas, was er erzahlt, würklich gesche-hen sei), oder nicht. Es ist nicht sei-ne Absicht, uns vori dem, was vor«3 Z Händen?