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einer Feenwclt schildern, kann Thierereden lassen, kann ein Elpsium undeinen Tartarus, ein Paradies undeine Holle bilden, wie es seine Phan-tasie verlangt; aber unter dieser äus-sern Schale muß Wahrheit liegen;wir müssen in dem Bilde der erdich-teten Welt die wahre sehen können.Nur der Stoff ist schimärisch und oh-ne Wahrheit, in dem wir nichts vonder Beschaffenheit der wahren Welterkennen; der ein bloßer Traum ohneDeutung ist. Dieses bedarf keinerumständlichen Erklärung; denn fürden Künstler, der hieraus noch nichtmerken kann, was wir durch einenerdichteten, aber sich auf Wahrheitbeziehenden Stoff verstehen, ist die-ses Werk nicht geschrieben.
Wahrheit muß also bey jedem Wer-ke der Kunst zum Grunde liegen; undje wichtiger, je brauchbarer dieseWahrheit ist, je schätzbarer ist seinStoff. Der Künstler also, der aufdie Hochachtung der Welt einen An-spruch machen will, frage sich selbst,so oft er ein Werk an den Tag legt,was wirst du nun damit ausrichten?Wozu wird das, was du andern solebhast in den Geist und in die Phan-tasie einprägest, dienen? Ueber welcheAngelegenheit werden die Menschennun richtiger, oder würksamcr den-ken, als vorher; welchen nützlichenBegriff werden sie sich nun lebhaftervorstellen, welche heilsame Empfin-dung wird ihnen gewöhnlicher wer-den? Was wirst du überhaupt in denVorstellungen der Menschen berichti-get, oder aufgeklärt, oder würkfamgemacht haben? Ist der Künstler einMann von Verstand und Kenntniß,so werden dergleichen Untersuchungenihm über den Werth seiner Arbeitendas nörhige Licht geben.
Wahrheit, auch ohne Rüksicht aufihre Brauchbarkeit, in sofern sie Voll-kommenheit der Schilderung oderVorstellung ist, gehört zum ästheti-schen Stoff, weil sie Vergnügen
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würkt. Ein an sich gleichgültiger inder Natur vorhandener Gegenstand,den ein Mahler nach der völligenWahrheit geschildert hat, macht alle-mal Vergnügen; und es ist um so vielgrößer, je schwerer es ist, die Wahr-heit der Schilderung zu erreichen, weildazu mehr Talent, mehr Vollkommen-heit im Künstler erfordert wird. Wennes also Vergnügen macht, eine Land-schaft i» der völligen Wahrheit derNarur von dem Mahlcr geschildertzu sehen , und wenn das Vergnügennoch größer ist, einen lebenden Men-schen nicht blos in seiner äußern Ge-stalt, sondern nach seinem Charakter,und mit seinen Gedanken im Gcmähl-de zu crbliken, so muß das größteVergnügen daraus entstehen, wenndie redenden Künste schwere, sehr ver-wikcltc Begriffe, und schwer zu ent-dekende Wahrheiten, leicht und ein-leuchtend darstellen; denn dazu schel-lten die größten und wichtigsten Ta-lente H'fvderc zu werden. Wenn wirgewisse sehr verwikcltc Gegenständeder sittlichen Welt lange mit Auf-merksamkeit und Nachforschen be-trachtet und untersucht haben, ohneihre wahre Beschaffenheit erkannt zuhaben, oder ohne daß es uns geglükthat, unser Urchcil darüber auf einebefriedigende Weise festzusetzen: somacht es uns ein ausnehmendes Vcr- .gnügen, wenn ein tiefer denkender und.glüklichcr forschender Kopf uns aufeinmal den Gegenstand in einem hel-len und faßlichen Lichte zeiget. KeinKünstler hat es so wie der Rednerund Dichter in seiner Gewalt, unsdurch Entdekung oder Vortrag derWahrheit mit Lust und Vergnügenzu durchdringen.
Mich dünkt, daß man den Dich-tern, die uns abstracte oder spccula-tivc Wahrheiten, deren Entdekungselbst dem Philosophen die größteMühe macht, sehr einleuchtend vor-tragen, zu wenig Recht widerfahrenläßt. Nach meinen Begriffen istPope