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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
719
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Wah

sich führen, sind vergeblich; und vcr-lohrcn sind die Handlungen, die vonIrrthum ihre Richtung bekommen.Umsonst und eitel ist Freude und Trau-rigkeit, die von Aberglauben und fal-schein Wahn erzeuget wird, wie dieFreude eines Dürftigen, der im Trau-me reich geworden; Handlungen undUnternehmungen, die von Irrthumgeleitet werden, sind mühsame Rei-sen nach eingebildeten Ländern, sieführen nicht zum Zwecke.

Höchst wichtig, vielleicht alleinwichtig ist also die Wahrheit demMenschen; und seinem wahren inne-ren Interesse kann nichts mehr ent-gegen seyn, als Irrthum. KeineWohlthat ist größer, als den Irren-den zurccht zu weisen; keine Misse-that strafbarer, als Menschen in Irr-thum zu verleiten. Der Geist desMenschen kennet kein anderes Gut,als Wahrheit; und Irrthum ist daseinzige Uebcl, das ihn betreffen kann.Alles sittliche Elend hat seinen Ur-sprung darin.

Weil die Wahrheit das einzige Gutdes menschlichen Geistes, seine würk-liche Nahrung ist: so muß auch al-les, was die schönen Künste dem Ver-stand und der Einbildungskraft vor-legen, auf Wahrheit gegründet seyn.Der unmittelbare Zwck der schönenKünste ist Lebhaftigkeit, oder Stärkeder Vorstellung; durch die Bearbei-tung des Künstlers bekommen unsreVorstellungen Kraft, Leben undWürksamkeit. Waren sie falsch, oderzielten sie aufJrrthum ab: so würdensie um so viel schädlicher, je lebhaf-ter wir sie gefaßt haben. Darumist Kenntniß und Liebe der Wahrheiteine wesentliche Eigenschaft einesrechtschaffenen Künstlers; und sehrrichtig urtheilte jener Spartaner, dereinem Sophisten, welcher sich rühmte,seine Zuhörer alles glauben zu ma-chen, was er wollte, antwortete:Deym Himmel! es giebt keineRunst, und es wird nie eine Aunsk

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seyn, deren Grund nickt Lvahrkeltsey *)! Der Künstler, der die Wahr-heit nicht kennt, oder sie gering schätzt,ist ein desto gefahrlicherer Müsch;weil das, was er uns sagt, odervorhält, starken Eindrnk auf unsmacht.

Je größer die eigentlichen Kunst-talentc sind, je wichtiger ist es, daßder Künstler die Wahrheit erkenneund liebe. Zwar liegt die Erforschungund Entdekung der Wahrheit außerder Kunst; sie ist dcr Zwck der Phi-losophie: aber wichtige Wahrheitenfühlbar zu machen, ihnen eine wür-kende Kraft zu geben, sie dem Geistunauslöschlich einzuprägeu, dies istdie edelste 'Anwendung dcr Kunst.Es ist noch zweifelhaft, ob der Phi-losoph, der wichtige Wahrheiten cnt-deket, oder der Künstler, dcr sie dcrMenge fühlbar macht, und sie zumGebrauch ausbreitet, dem mensch-lichen Geschlecht einen wichtiger»Dienst leiste. Die Werke der Kunst,die Irrthum, falsche Meynungcn oderVorurrheile über wichtige Gegenstän-de begünstigen, gleichen einer äußer-lich schönen und Lüsternheit erwekew-den Frucht, die vergiftet ist; denKünstler aber, der seine Talente aufeinen schimärischen, nicht auf Wahr-heit, ober Realität gegründeten Stoffverwendet; der seine Vorstellungenaus einer nicht würklichcn, sondernblos eingebildeten Welt nimmt, undihnen keine Beziehung auf die würk-lichc giebt, köchncn wir in keinen Hä-hern Rang stellen, als den, den wirden Dienern dcr Ueppigkeit anweisen,die die Tafeln dcr Reichen mit Früch-ten versehen, die aus Wachs ge-macht sind.

Damit wollen wir dem Künstlerden blos erdichteten, aus einer nur inseiner Phantasie vorhandenen Weltgenommenen Stoff keinesweges ver-bieten. Er kann uns Sccnen aus

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