Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
718
Einzelbild herunterladen
 

7^8 W a h

wckt *). In sofern aber der Dichterschildern will, hat er eben den Vvr-lhcil, daß gute Schilderungen auchvon schlechten Sachen gefallen, mitdem Mahlcr gemein. Die Schilde-rung des alten Buches in Boile-'.usAmrin gefällt gerade aus demGrunde, warum eine vollkommen ge-wählte Kröte gefallen würde.

Der eben angeführte Schriftstellerrmtersuchr in einem besondern Ab-schnitt seines vortrefflichen und über-all bekannten Werks über die schönenKünste*^), was einen Stög für dieDichtkunst und für die Mahlercy vor-züglich tüchtig mache. Aber er schei-net diese Materie nicht in das HellesieLicht geselzt zu haben. Man kanndie vorzügliche Brauchbarkeit einesStoffs für jede Kunst durch das, wasjeder Kunst wesentlich ist, genauer be-stimmen. Für die Musik schikct sichnichts, als Aeußerungen der Leiden-schaften ; sie kann ihrer Natur nachweder Gedanken, noch sichtbare Ge-genstände schildern **'°). Für den epi-schen Dichter ist die Schilderung ei-ner Sceue, wo viel Menschen zugleichmüssen beobachtet werden, wenn manden zwekmaßigcn Eindruk davon ha-ben soll, ungleich weniger schiklich,als für den Mahler; und die Aus-sicht, die ein Landschaftmahlcr vor-züglich wählen könnte, weil sie imGanzen übersehen die beste Würkungthut, möchte sich sehr schlecht für denschildernden Dichter schiken. So hatjede Knust etwas, das die Wahl desGegenstandes bestimmen kann. Wirhabenabcr das, was wir hierüber an-zumerken hatten, theils in den Artikelnüber besondere Künste, theils in denenüber die besonder» Gattungen derKunstwerke, bereits angeführt.

*) S. Achnlichkcit.

") Ncklexian» lur I» poelie et!, pein.rure, Lcü. XIII.

-*) Man sehe, was aus diesem Grundüber die Wahlwcs Stcffs für die Oper,in dem Artikel wper ilt erinnert wer-de»,

W a hWahrheit.

(Schöne Künste.)

Ast Richtigkeit unsrcr Vorstellungen.Diese sind wahr, wenn das, waswir für möglich oder würklich hal-ten, in der That so ist; falsch undirrig sind sie, wenn das, was wirfür möglich oder würklich halten,es nicht, oder nicht in der Art ist,wie wir es uns vorstellen. Wahr-heit ist also Vollkommenheit, Irr.thum Unvollkommenheit unfrer Er-kenntnis: durch jene bekommen mi-ste Begriffe, Gedanken und Urtheilcdie Realität, Wirklichkeit oder Wah-rung »), die den Probierstein aus-halten; durch diesen sind sie schimä-risch, eingebildet, ungegründet, odergar widersprechend. Wahrheit wirdmich von der Vollkommenheit einerSchilderung, Abbildung oder Be-schreibung gebraucht. Bcydc Be-deutungen kommen im Grund nurauf eine. Denn unste Vorstellun-gen sind auch Abbildungen aus ei-ner möglichen, oder wörtlichen Welt.Daher nennt Leiblich die Begriffeund Gedanken, Abbildungen OesZusammengesetzten in Sem Ein-fachen.

Ehe wir von dem Vcrhaltniß derWahrheit gegen die schönen Künstesprechen können, müssen wir sie inihrem allgemeinen Vcrhaltniß gegenden Geist betrachten. Von unfernVorstellungen hängen die meisten, we-nigstens die wichtigsten unsrcr Em-pfindungen ab, und unste Handlun-gen bekommen ihre Richtung von ih-nen. Jrrthum oder falscher Wahnerzeuget eitle, wie von leeren Phan-tomen verursachte Empfindungen.Vergnügen und Verdruß, die sie mit

sich

") Währung bedeutet auch die völlig«Richtigkeit des Inhalts der Mecalliund Münzen. Wähvung, Wahr-heit, und Gewähre, sind Wirkervon einer Gt«inmwurjel.