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Kammer oder das Theater, und wirdin einer Sinfonie geschwinder vorge-tragen, als in dcrsclbcnTaktart undmit denselben Notengattungcn in ei-nem Singstük oder einem gearbeite-ten Trio. Hat der Künstler erst diehiczu nöthigc Erfahrung, und ver-steht er daneben in dem Sinn der No-ten zu lesen, so ist er im Stande, je-dem Scük, das ihm vorgelegt wird,wenn er es nur einigermaßen auf-merksam übersehen hat, die richtigeBewegung zu geben. Stüke vonsehr lebhaftem und fröhlichem Aus-druk nehmen oft noch eine geschwin-dere Bewegung an, als der Tonsetzcrihnen gegeben hat, und gewinnen da-durch an Ausdruk, zumal wenn sieein oder etlichemal wiederholet wer-den ; nur muß die Geschwindigkeitnicht soweit getrieben werden, daßdie Deutlichkeit darüber verlorengeht. Aber sehr langsame Stüke vonpathetischem oder traurigem Ausdrukkönnen leicht allen Ausdruk verlie-ren, wenn sie zu langsam vorgetra-gen werden. In einigen StädtenDeutschlands ist es zur Mode gewor-den, das ^cla^io so langsam vorzu-tragen, .daß man Mühe hat, die Takt-schritte zu bemerken. Solcher Vor-trag macht das vortrefflichste Stüklangweilig und ermüdend, und gleichtdem Vortrag eines Schulmeisters,der den Psalm buchstabirer.
s) Die dem Charakter und Aus-druk des Stüks angemessene Schwereoder Leichtigkeit des Vortrags. Hie-von hangt ein großerTheil des Aus-druks ab. Ein Stük von großemund pathetischem Ausdruk muß aufsschwercsie und nachdrüklichste vorge-tragen werden: dies geschieht, wennjede Note desselben fest angegeben undangehalten wird, fast als wenn ts-nata darüber geschrieben wäre. Hin-gegen werden die Stüke von gefalli-gem und sanftem Ausdruk leichtervorgetragen; nämlich, jede Note wirdleichter angegeben, uich nicht so fest
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angehalten. Ein ganz fröhlicher odertändelnder Ausdruk kann nur durchden leichtesten Vortrag erhalten wer-den. Wird diese Verschiedenheit imVortrag nicht beobachtet, so gehtbey vielen Etüken ein wesentlicherTheil des Ausdruks verloren; unddoch scheint es, als wenn heut zuTage hieraus wenig mehr Acht gege-ben werde. Gewiß ist es, daß dieManier, alles leicht und gleichsamspielend vorzutragen, so überhandgenommen, und auf die Eetzkunstselbst so mächtig gewürkt hat, daßman von keinem großen und majestä-tischen Ausdruk in der Musik etwasmehr zui wissen scheint. Man com-ponirt für die Kirche, wie fürs Thea-ter, weil der wahre Vortrag guterKirchcnsiüke verloren gegangen, undkein Unterschied in dem Vortrag einesKirchensolo oder einer Opcrnaric ge-macht wird. Statt des uachdrükli-chcn simpeln Vortrags, der Herzund Scel ergreift, strebt jeder nachdein Niedlichen und Manierlichen,als wenn die Musik gar keinen an-dern Endzwck hätte, als das Ohrmit Kleinigkeiten zu belustigen. Uu-glükiich ist der Tonfttzer, der würk«lich Empfindung fürs Große undErhabene hat, und Sachen setzt, dieschwer vorgetragen werden müssen;er findet unter hundert nicht einen,der sich j in die Simplicität des Ge-sanges zu schikcn, und jeder Notedas Gewicht zugeben weiß, das ihrzukömmt. Auch findet der ver-wöhnte Gcschmak keinen Gefallenmehr au solchen Sachen, und hältes wol gar für eine Pedanterie, mitder Musik mehr als das Ohr belu-stige» zu wollen.
Die Schwere oder Leichtigkeit wirdgroßrenthcils aus der Taktart desStüks bestimmt. Je großer die No-tengattungcn der Taktart sind, jeschwerer ist der Vortrag, und je leich-ter, je kleiner sie sind. Dieses ist be-reits an einem andern Orte hinläng-