gleichsam aus der Seele des Ton-selzers spiele. Daß es hier nicht aufbloßes richtiges Notcnlcsen ankomme,ist leicht begreiflich. Die Zeichen,die den Ausdruk eines Stüks bezeich-nen, sind sehr wenig und unbestimmt.Die Taktart, die Anzeige der Bewe-gung, die Wörter utlcttuolo, mesto,jpiricolo etc. die nicht einmal vonJedem dem Slüke vorgesetzt werden,und einige wenige andereZeichen, dieden Vortrag einzelcr Noten oder Sa-tze bezeichnen, reichen zu allen denSchattirung, deren der Ausdruk fä-hig ist, lange nicht hin, und fetzen dochnoch allezeit einen Virtuosen voraus,der das Eigenthümliche der Taftartkennt, der die Bewegung genau trifft,und der da weiß, wie er das mesto,das spirieolo etc. vorzutragen habe,damit es würklich so traurig, so fcu-rigw. klinge, als derTonsctzercs em-pfunden hat. DerSanger hat nocheher ein Zeichen, das ihm den Aus-druk durchs ganze Stük bestimmt;er darf mir auf den Ansdruk derWorte Achthaben: dennoch hangt esimmer noch von seiner Gcschiklichkeitab, wie genau er diesen Ausdruktreffe; dann könnte es auch seyn, daßder Zonsetzcr selbst ihn nicht genau gc.troffen hatte. Daher ist sowol demSänger als Spieler in Absicht aufdenAusdruk des Vortrags nothwcn-dig, daß er außer der Fertigkeit undeinein richtigen Gefühl eine hinläng-liche Geläufigkeit in der musikalischenSprache selbst habe, nämlich, daß ernicht allein Noten, Phrasen und Pe-rioden fertig lese, sondern den Sinnderselben verstehe, den Ausdruk, derin ihnen liegt, fühle, ihre Beziehungauf einander und ans das Ganze be-merke; und baß er das eigenthüm-liche des Charakters des Tonstüksschon aus der Erfahrung kenne. Man-cher trägt eine Menuet wie ein Ario-so, oder ein Lied wie eine Opernarievor; dergleichen Fehler wider denCharakter eines Stüks sind Zuhörer;»
von richtigem Gefühl höchst anstößig.Es würde ein thörichtes Unrernch.men seyn, zu bestimmen, worin sichder Vortrag, wenn er jeden Charak-ter und jeden Ausdruk insbesonderegenau darstellen soll, unterscheidenmüsse, da das Anhören richtig vorge-tragener Stüke dem jungen Künstlervon Gefühl hierüber in wenigen Mi-nuten mehr Licht gicbt, als alles, washierüber, nicht ohne ermüdendeWeit-läuftigkeit, bestimmtes gejagt werdenkönnte. Aber die Mittel, wodurchder Ausdruk im Vortrag überhaupterhalten wird, wollen wir anzeigen,und sie mit einigen Anmerkungen be-gleite». Diese sind:
r) Die richtigste Bewegung. Oh-ne diese kann das Stük unmöglichden völligen Ausdruk des Tonsctzcrs ^gewinnen. Es ist daher eine Haupt-sache, die Bewegung genau zu tref-fen. Bey ii?tükcn, die vorher geübtoder wenigstens ein paarmal durch-gespielt werden können, bemerkt mandas Tempo bald, worin sie vorgetra-gen werden müssen; und hat man ersteinmal die richtige Bewegung einesStüks getroffen, so ist es leicht, sieallezeit wieder zu treffen. Aber dieBewegung solcher Srüke zu treffen,die gleich vomBlarr gespielr oder ge-sungen werden sollen, ist künstlicher.Außer der natürlichen Geltung derNotengattungen wird noch ersodert,daß man auch die jeder Taktart na-türliche Bewegung im Gefühl habe.So sind z. B. die Achtel im Z Taktnicht so lang, als die Viertel imaber auch nicht so kurz als die Ach-tel desselben; daher ist ein Stük mitvivace bezeichnet, im A Takt lebhaf-ter an Bewegung, als es im H seynwürbe; mansche, was hierüber be-reits im Artikel Takt angemerkr wor-den. Dann muß auch der Charakterund die Schreibart des Stüks in Er-wägung gezogen werden. Ein ^Ale-Ar« für die Kirche verträgt keine sogeschwinde Bewegung, als für dieKy 2 Kam-