Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
706
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Vor

Vor

oder:

o -t'

Würden die Anfänger fleißig indem Vortrag der verschiedenen Tanz,stüke geübt, die so leicht zu fühlendeund so mannichfaltige, ja alle Artenvon Einschnitten haben, so würdensie bald bemerken, wie sie die Ac-ccnte und die Einschnitte zu inarqui-ren haben, um bcpde fühlbar zu ma-chen ; sie würden alsdann auch leich-ter, als in den Sonaten und Solosgeschehen kann, die Phrasen vonzwcy, drcy oder mchrernTakten ausdem Zusammenhang der Melodie er-kennen lernen.

5) GeHort allerdings zur Deutlich-keit des Vortrags, daß man im Taktbleibe. Nichts ist dem Zuhörer an-stößiger, als ein unregelmäßigerGang des Taktes. Wer von Naturkein Gefühl des Takts hat, dem istnicht zu helfen. Wer aber blosausUnachtsamkeit bcy schweren Sätzenschleppt, und bey leichten eilt, oderimmer schleppt oder eilt, dem kanndieserWink hinreichend seyn, sich eineso häßliche Sache abzugewöhnen.

Es wird nicht überflüßig seyn, hiernoch anzumerken, daß die wenigen Zei-chen, womit der Tonsetzer den Vor-trag cinzeler Noten oderSatze bezeich,net, als die Bogen zum Schieifcn, dieStriche oder Punkte zum Abstoßen,das 5 und p zum Forle und Piano,die Triller w. aufs genaueste bcobach»tet werden müssen, weil sie gewissenSätzen so wesentlich sind, als dieTone selbst, folglich die Beobachtungderselben zur Deutlichkeit des Vor-trages höchst nolhwendig ist.

Dies sind die wesentlichsten Stüke,die bey dem Vortrag einer Haupt-stimme beobachtet werden müssen,wenn die Melodie allen Menschenfaßlich und angenehm ins Gehör fal-lt» soll. Sie machen aber nur erst

einen Theil des guten Vortrags aus,nämlich den Theil der reinen undrichtigen Declaniation des Gesanges.Dieser Theil ist gleichsam nur derKörper des guten Vortrags, demnoch die Seele fehlet, wenn der Ans-druk nicht hinzukömmt. Nur derAusdruk giebt dem Vortrag erst daswahre Leben, und macht das Stükzu dem, was es seyn soll. So lan-ge dieser in dem Vortrag fehlt, undwenn,er noch so deutlich ist, bleibtdoch der Zuhörer von Geschmak undEmpfindung kalt und ungerührt.Auch ist es der Ausdruk allein, derbey dem Vortrag des nämlichenStüks den Meister von seinem Schü-ler, den großen Virtuosen von demmittelmäßigen, unterscheidet.

Worin destcht aber der Ausdrukim Vortrage? Er besteht in der voll-kommenen Darstellung des Charak-ters und Ansdruks des Stüks. S»>wol das Ganze als jcderThcil dessel-ben, muß gerade in dem Ton, in demGeist, dem Affect und in demselbenSchatten und Licht, worin der Ton-sctzcr es gedacht und gesetzt hat, vor-getragen werden. Wem ist unbe-kannt, wie man in der Rede einerFolge von Worten durch den ver-schiedenen Ton der Aussprache einenverschiedenen, ja oft einen entgegen-gesetzten Ausdruk geben, oder durcheine eintönige kalte Aussprache garallenAusdruk benehmen könne? Daßdieses bcy einer melodischen Folge vonTönen eben sowol angehe, ist außerZweifel, und nur zu oft wahr. Je-des gute Tonstük hat seinen eigenenCharakter, und seinen eigenen Geistund Ausdruk, der sich auf alle Thclledesselben verbreitet; diese muß derSänger oder Spieler so genau in sei-neu.Vortrag übertragen, daß er

gleich»