Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
697
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V o r

Nach dem Ton» seiner Bildungund Stimmung kommt die Bewe-gung der Stimme zum Ausdruk inBetrachtung. Die Tonsetzcr unter-scheiden nicht nur die verschiedenenGrade des Geschwinden und Langsa-men in der Bewegung, durch ihreKunstwörter Allegro, Andante, Lar-go, u, d. gl. sondern auch noch denbesondern leidenschaftlichen Charak-ter, den sie durch die Worte Vivace,Modcraro, Grave, Granoso, conTeuere;;« und dergleichen ausbrü-ten. Die Tanzmclodicn beweisen,daß die Bewegung allein ungemeinviel zum Ausdruk der besonder» Ar-ten der Empfindung beytrage. Dasie insgemein ohne Worte nur durchInstrumente vorgetragen werden, somuffen die Tonfttzer nothwcndig allemögliche Veränderungen des Aus-druks, der aus der Art der Bewe-gung entstehet, in ihrer Gewalt ha-be», da Redner und Dichter sich zumTheil auch auf den Sinn der Worteverlassen können. Deswegen kannder Redner nur in der Schule derMusik alles lernen, was er über dieBewegung der Stimme zu beobachtenhat. So klaglich die vorher ange-führte Stelle aus der bekannten Ram-lcrischcn Cantatc dcm Sinne nach ist,so wird sie jeder Tensetzcr in einer sol-chen Bewcgnng, und Taktart setzenkönnen, die, des kläglichen Sinnesungeachtet, Gleichgültigkeit, oder garLeichtsinn ausdrükt.

Es ist um so viel wichtiger, diewahre Bewegung für jeden Ausdrukzu treffen; da sie die leidenschaftlicheBildung der einzclcn Töne, wovonvorher gesprochen worden, entwedererleichtert, auch wol an die Handgiebt, oder gar unmöglich macht,Denn wo irgend eine Sylbe nach Artder Bewegung auf eine schlechte Takt-zcit fallt, so ist es nicht möglich ihreinen leidenschaftlichen Nachdruk zugcben, weil die Bewegung ein leich-tes Anschlagen derselben erfodert.

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Dem Redner ist also zur kräftigenDeclamation eine, genaue Kcnntnißvon den Eigenschaften und Würkun-gcn des Rhythmus unumgänglichnorhwcndig. Er muß für jede Pe-riode der Rede, nach dcm in demSinne liegenden Ausdruck, den schik-hchsten Rhythmus zu wählen wissen,sonst ist es nicht möglich, daß erüberall die wahre Declamation treffe.Da die Theorie des Rhythmus selbstnoch so wenig bearbeitet ist, so kannman auch dem Redner keine bestimmteRegeln über die besonder» Fälle derDeclamation geben. Wer indessenzu wissen verlanget, was etwa hier-über von den besten Lehren der Red-ner gesagt worden, den verweisenwir auf das dritte Capitel des eilf-ten Buchs dcr Institution des Ouin-tilians.

Jede Leidenschaft und überhauptjede besondere Gemüthslagc hat nichtnur ihre eigene Art, sondern in dieserArt auch ihren Grad der Würksam-keit; und beydcs kann durch rhyth-mische Bewegung ausgedrükt, odergeschildert werden. Das ruhige, ge-lassene, sanfte, zärtliche, das lebhaf-te, heftige, stürmische, und mehr der-gleichen Eigenschaften unsrcr inncrnWlirksainkcit, können durch vhythmi-sche Bewegung fühlbar gemacht wer-den; dieses ist durch die Musik völligaußer Zweifel gesetzt. Also muß derRedner, so genau als ihm möglichist, diese Ucbercinstimmung zwischender rhythmischen Bewegung der Tö-ne, und den Gemüthsbewcgungen,sorgfältig bemerken. Dieses ist derWeg, auf dem er zum wahren Aus-druk der Declamation kommen kann.Dannftommr es in jedem besonder»Fall noch darauf an, daß er sich be-fleiße, die-wahre Gcmüthslage, mwelcher jede Periode der Rede mußvorgetragen werden, genau zu treffen,und daß er Empfindsamkeit genughabe, sich in dieselbe zusetzen.. Hat erdiesen Punkt gewonnen, so wird erXz- 5 auch