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auch Ton und Bewegung treffen ; dieKunst aber, oder die genauere Kennt-niß der Beschaffenheit der rhythmi-schen Charaktere, wird das, was dieEmpfindung ihm bereits an die Handgegeben hat, noch vollkommener ma-chen. So viel sey von dem erstenPunkt des Vortrages der Deklama-tion gesagt.
Soll der Vortrag ganz vollkom-men seyn, so muß auch das Sicht-bare an dem Redner mit dem, wasman von ihm Hort, übereinstimmen.Es ist unnorhig hier zu wiederholen,was schon an so mancher Stelle die-ses Werks angemerkt worden, daßStellung, Gebchrden und Gesichts-züge bald jede Empfindung der Seelevermthcn, oder vielmehr mit solcherKraft ausbrüten, daß empfindsameMenschen durch das bloße Anschauendieselben Empfindungen fühlen, diesie ait andern sehen *). Wie diesesSichtbare bcy jeder verschiedenen Ge-müthslagc beschaffen sey, kann Nie-mand beschreiben; auch kann dasWenigste, was das Auge dabeyent-dekt, nur geueünt werden. Mankann als» dem Redner nichts sagen,als: er solle sich die verschiedenenKräfte der Stellungen, Gebchrden,und der veränderten Gesichtszüge be-kannt machen; sich fleißig üben, siemit Leichtigkeit nachzuahmen, unddann, wo er zu reden hat, sie amrechten Orte anbringen. Aber Stel-lung, Gebchrden und Mine könnensehr verstandlich und nachdrüklich,und dessen ungeachtet schlecht unddem Redner unanständig seyn. Siemüssen nicht blos wahr, oder natür-lich, sondern auch so, wie es einemwolcrzogenen, gesetzten und wolge-sitteten Menschen anstandig ist, vonAnstand und Gcschmak begleitet seyn.Denn die natürlichen Aeußerungen
") Wan muß hier das vor Augen ha-ben, was in den Artikeln Stellung,Gebchrden, Schönheit, hierüber ge»sagt worden.
Vor
der Empfindungen, durch das Sicht-bare des Korpers, sind zwar bey al-len Menschen verständlich: aber beyvielen haben sie etwas ungesittetes,übertriebenes, oder grobes, oder garzu rohes, das Menschen von feincrmGeschmak anstößig ist. Ueberhauptist eine gewisse Mäßigung der Leiden-schaften, und ein gewisser Anstandin allen Bewegungen der Gliedmaas-sen und veränderten Gesichtszügen,Menschen von ausgebildetem Geistund Herzen eigen. Die Freude würktbcy kleinen, kindischen Gemüthernein Hüpfen, Springen und Gebchr-den , das gesetztem Menschen lächer-lich ist. So kann jeder andere sicht-bare Ausdruk der Empfindung zwarverstandlich, aber auf manchcrlcyWeise dem guten Geschmak und fei-nern Sitten anstoßig seyn. Wollteman dem Redner alles sagen, washierüber zu sagen ist, so müßte mansich in umständliche Ausführung des-sen, was Lebensart, Sitten, Nachden-ken, Kenntniß und angebaute Ver-nunft in den Bewegungen und Gebchr-den der Menschen andern, einlassen.
Ueberhaupt aber merke man sich,daß bey gesitteten Menschen alle Ge-bchrden, Bewegungen und Minenweit gemäßigter und weniger auffal-lend sind, als bcy rohen und unge-sitteten. Diese haben weniger Nach-denken, und bilden sich ein, daß an-dere, so wie sie selbst, den Sinn ihrerReden nicht genugsam fassen, wennsie nicht alles durch sichtbare Zeichenunterstützen. Daher reden sie mitHänden und Füßen selbst da, wo sienicht im Affect sind, sondern blos un-terrichten wollen. Dies ist eigentlichdas, was man Gcfticuliue,, nennt,und ist der unangenehmste Fehler derAction. Man muß dem Zuhörer zu-trauen, daß er den Sinn der Worte,ohne andre Bezeichnung verstehe. Nurda, wo das Herz empfindet, würktder innere Sinn auch auf die äußernEliedmaaßcn, .deren Bewegung die
Stärke