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Der Redner also, der den Vortragvöllig in seiner Gewalt hat, kannnns durch Ton und Bewegung derSrimme in jede Gemüthsfassung se-tzen; er kann uirs ruhig und gelassen,zmn Nachdenken ammerksam , mun-ter und fröhlich, zärtlich, traurig,unrubig, verzagt, Herzhaft oder angst-lies machen. Stimmt also diese inTo» und Bewegung liegende Kraftn it dem Sinn der Worte genauübereilt, so bekommt die Rede selbsteine unwiderstehliche Kraft. In derBeredsamkeit ist also nichts wichti-ger als die Kunst, die Kraft der Re-de durch den Vortragen unterstützen.Dieser besondere Theil dcrDcclama-twn kann aber so wenig, als die an-dern durch Worte gclehret werden.Alles, was man hiebey lhun kann,und was in der That von großemNutzen ist, besteht darin, daß derRedner auf das Besondere5 was zudiesem Ausdruk gehöret, aufmerksamgemacht werde.
Zuerst kommt also der Ton derStimme selbst in Betrachtung. Eineiuzeler unartikulirrer Laut kann fröh-lich oder traurig , heftig oder sanftund gelassen klingen. Er bekommtseine ästhetische Kraft rheils von demGrad der Starke, von der Langsam-keit und Schnelligkeit, von demRachdruk oder der Flüchtigkeit, wo-mit er ausgesprochen wird; theilsvon dem Ziehen, oder Stoßen, oderAnschwellen, oder andern Arten semcrErzeugung; theils von dem Ort, woer-gebildet wird, oder wo er zu ent-stehen scheinet, da er bald tief ausöcrBrust, bald aus der Kehle zu kom-m bald nur in dem Munde, odergar nur auf den Lippen selbst gebil-det zu stA« scheinet. Es ist völlig un-möglich, alle Verschiedenheiten, dieder Ton,einer einzigen Sylbe anneh-men kann, und jeden Ausdruk» dendiese Verschiedenheiten ihm geben, zubeschreiben. Dieses kann nur em-pfunden wtldsn. Aber eS ist für den
Vor
Redner wichtig, daß er sich im ge-nauen Beobachten und Empfindendieser Verschiedenheiten fleißig übe.Die vorher angeführten Worte desKlanges können so ausgesprochenwerden, >daß sie blos zärtliche undgleichsam schinachtende Traurigkeitausdrüken. Dies würde geschehen,wem« man die Worte A?ehe! rvehe!aus der Kehle sanft und gelassen,langsam und mit einer allmähligenWendung oder Jnflcxion des Tonesauf der ersten Shlbe jedes Wortsausspräche. Tiefere Wchmuth wür-den sie ausdrüken, wenn der Ton aufder ersten Sylbe tief aus der Brust,mit einem blunpfigen To», allmahligetwas verstärkt und sich in bcrzwcy«ten Sylbe verlierend, ausgesprochenwürde. Schrekhaft würden sie klin-gen, wenn sie mit lautem, offencmSchrcyen, einem hellen Ton, schnellhintereinander, als wenn man umHülfe rufte, vorgebracht würden.Es zst aber unendlich viel leichter mitder Stimme solche Veränderungendes Vortrages vorzunehmen, und ih-re verschiedene Würkung zu beobach-ten, als sie zu beschreiben. Alsomüssen wir uns begnügen, nur diesesemzigeBeyspicl angezeigct zu haben;das übrige muß dem eigenen Fleißdes angehenden Redners überlassenwerden. Weil es hier blos auf Er-fahrung ankommt, so muß er sich an-gelegen ftyn lassen, jede Gelegenheit,wo er Menschen,, die in Leidenschaftgesetzt sind, sprechen höret, sich zuNutze zu machen, um seine Beobach-tungen zu vermehren. Dadurchwird er fühlen lernen, wodurch einTon fröhlich, zärtlich, schmeichelnd,kriechend, demüthig, oder traurig,klaglich, scheltend, zornig, streng,wodurch er flüchtig, gleichgültig,ernsthaft, feyerlich wird. Denn esist außer Zweifel, daß blos der Tonder Rede alle diese Eigenschaften an-nehmen könne.
Nach