Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

6l),> Vor

V sc

genaue Ausführung. Aber die Sa- gen; so wie man gegenwärtig in der

che ist fast unüberwindlichen Schmie» Musik Künstler hat, die selbst keine

rigkeiten unterworfen. Man müßte Tonstüke setzen, sondern blos fremde

bcynahe die ganze Theorie der Musik Werke vortragen. Dieser Kunst ge.

und der Pantonnme deutlich vor Au- denken einige Alten unter dem Namen

gen haben, um alles, was zum Vor- klmplollia; und wie gegenwartig die

trag der Rede gehört,! anzeigen und Jnstrumentisten sich in Gesellschaft

bestimmen zu können. Man müßte tcn hören lassen, so ließen sich in

zeigen können, wie eine Folge von Athen die Rhapsodistcn hören. Es

Tönen auch ohne den Sinn der Worte gab solche, die. sich blos auf den Vor-

das Gehör angenehm zu unterhalten, trag eines einzigen Dichters ein-

und das Herz kraftig zu rühren ver- schränkten; weil sie glaubten, daß

mögend s«); und wie es zugehe, daß die Kunst zu schwer fey, als daß ein

«in Mensch, ohne zu sprechen, durch Mensch sie in allen ihre» Zweigen

Stellung, Gebchrde und Mine ver- befitzen könnte. Ich besinne mich in

stündlich und hcrzrühreud sprechen einem der Werke des Aristoteles gele-

könne. Daß bcydes täglich geschehe, sen zu haben, daß ein Rhapsodist de«

wissen wir aus der Erfahrung; aber sonders über den Vortrag der Werke

deutlich zu zeigen, wie es geschehe, von klaglichem Inhalt geschrieben

und jede Kraft, die in dem Hörba- habe. Plato hält dafür, daß der

reu der Rede und in dem Sichtbaren Einfluß des Himmels, oder die Be-

des Redners liegt, genau zu bestim- gcisterung dem Rhapsodisteu eben so

wen und psychologisch zu erklären, nöthig, als dem Dichter *); und es

wäre -ein Unternehmen, dem zur Zeit läßt sich aus einer Stelle des Euri-

kein Philosoph gewachsen ist. Denn pidcs schließen, daß zu seiner Zeit

wenn er auch alles, was er durch den die Kunst des Vortrages zu einem

Wortrag fühlet, genau unterscheiden, hohen Grad der Vollkommenheit ge-

und den Grund sedcr besonder» Wür. stiegen scy: wenigstens vetmuthe ich,

kung einsehen könnte: so fehlten ihm daß folgende Worte, die der Dichter

die Worte, das, was er erkennt und der Hekuba in den Mund legt, die

fühlt, auszudrüken. Wer wird z.B. Schilderung irgend eines Nhapsodi-

um von hlinderten nur einen bcson- stcn derselben Zeit seyn sollten :o!

dcrn Fall anzuführen, mit Worte» daß ich durch die Kunst dcSDädaliis

beschreiben können, in welchem Ton« oder dcnBcystand irgend einer Gott-

nian das Wort Gott aussprechen hcit den Ton der Stimme in den Ar-

müsse, wenn es ein Ausrufungswort, men und Händen, oder in den Haa-

dcs Schietens, oder der anbetenden ren und in den Füßen hätte **)!"

Bewunderung , oder der geduldigen Wir können hier nicht viel wehr

Unterwerfung ftyn, und die Kraft thun, als daß wir einen Entwurf ma-

haben soll, «ine dieser Empfindungen chen, nach welchem die wichtige Lehre

fühlen zu lassen? vom Vortrage abzuhandeln wäre.

Wenn also der Vortrag der wich- Zum Vortrage gehören zwei) sehr

tigste Puiilr in der Beredsamkeit ist, verschiedene Dinge, das Hörbare der

so ist er gewiß auch der schwcrcste, Rede, und das Sichtbare an dem

in der Theorie der Kunst abgehandelt Redenden. Jenes wird insgemein

besondere Kunst daraus gemacht ha-ben, die Werke der Dichter (vielleicht *) Im Gcspr. Jon.auch der Redner) geschikt vorzutr«» Lurix. «ecub. vk. ?zs - »n-

zu werden.

Es scheinet, daß die Griechen eine

unter dem Namen der Deklamation,

dieses