69? VorVorhalt,
(Musik.)
Eine Dissonanz, die in einemAccordeine Zeitlang die Stelle einer Conso-nanz vertritt und bald in dieselbe-übergeht. Es ist bereits anderswoerinnert worden, woher es komme,daß in der Fortschreicung der Har-monie ein Ton oder mehrere, die zneinem vorhergehenden Accord gehö-ren, noch aufdem folgenden eine Zeit,lang liegen bleiben, und die Stelleanderer zu dem Accord gehöriger Tö-ne einnehmen *). Wir haben dieseVorhalte zufällige Dissonanzen ge.nennt, weil sie zu der Harmonie, oderzu dem Accord., in dem sie stehen,nicht gehören, sondern zufalliger Wei-se, weil sie schon da liegen und derUebergang von ihnen auf diedemAc-cord wesentlichen Töne eine guteWürkung thut, beybchalten werden.Dadurch unterscheiden sie sich vonder wesentlichen Dissonanz, die alsein nothwendiger Ton zu dem Accordgehört und vor sich da steht, da dieVorhalte nur eine Zeitlang die Stelleandrer Töne vertreten. Z. B.
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S. Dissonanz; Bindung.
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Ein Vorhalt kommt immer aufder guten Zeit des Takts, damit dasDissoniren fühlbarer sey, und trittauf der darauf folgenden schlechtenZeit in die Consonanz über, derenStelle er vertreten hat, als dieQuarte in die Terz, die Rone in dieOctave u. s. f. Der Vorhalt ist vondem Vorschlag darin verschieden, daßdieser nicht von der vorhergehendenHarmonie liegen bleibet, sondernohne diese Vorbereitung von dem ei.gentlichen Ton, den man hören sollte,angeschlagen wird, und diesem her-nach Platz macht.
Die Vorhalte kommen nur in demsogenannten schweren oder strengenStyl vor, wo sie wegen des empfind-lichen Dissonircns starke Würkungthun. Es ist aber dabei) in Acht znnehmen, daß der Vorhalt nicht län-ger daure, als die Consonanz, andie er gebunden ist. Mau kann wsleine kürzere Note an «ine längere,aber nicht eine längere an eine kürzerebinden. Auch ist es eine wesentlicheEigenschaft des Vorhalts, daß ernur um einen einzigen Grad von derConsonanz, an deren Stelle er steht,entfernt sty.
Vorschlag.
(Musik.)
Ein Ton, der in der Melodie zurVerzierung, als eine Stufe, vonder man auf den eigentlichen Ton,der folgen sollte, kommt, ange-schlagen wird. Er ist allezeit dieOber - oder Untersccunde des To-nes, auf dm man gehen will. Inder Harmonie kommt der Vorschlagnicht.in Betrachtung; denn er die-net blos zu den melodischen Verzie-rungen. Der Vorschlag hat keinebestimmte Dauer, sondern wird;nachdem der Vortrag dem Charak-ter des Stüks zufolge es erfodcrt,bald länger, bald kürzer gemacht